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Benjamin Britten

Lieder (Winter Words, Michelangelo Sonnets, Hölderlin Fragments u.a.)

Ian Bostridge, Antonio Pappano, Xuefei Yang

EMI 4334302
(70 Min., 1/2013)

Schon Verdi gelingt es kaum, sich 2013 gegen Wagner durchzusetzen. Dass in diesem Jahr aber zudem des 100. Geburtstags von Benjamin Britten gedacht wird, scheint fast völlig unterzugehen. Diese Befürchtung hatte wohl auch Ian Bostridge, weshalb er sich Ende Januar in die Londoner Abbey Road Studios begab, um dort noch eine CD mit Liedern seines Landsmannes aufzunehmen. Das Programm ist hervorragend zusammengestellt: Von den frühen "Michelangelo Sonnets" über Brittens bekanntesten Zyklus "Winter Words" bis zu Ausschnitten aus der späten Sammlung "Who Are These Children?" dokumentiert es alle Schaffensphasen des Komponisten.
Bostridge nähert sich Liedern bekanntlich vom Text her, leuchtet ihn in allen Aspekten und Nuancen aus, neigt dabei aber gerne zu Übertreibungen. Auch hier finden sich diese gewohnten Manierismen, davon abgesehen gelingt ihm eine sehr lebendige und überzeugende Deutung. (Wie man die "Winter Words" ohne dieses gewisse 'Zuviel' ganz natürlich aus dem Duktus entwickelt, hat Mark Padmore vor fünf Jahren exemplarisch auf CD vorgeführt.) Größeren Grund zum Mäkeln gibt es nur bei den arg gestelzt dargebotenen "Michelangelo Sonnets", die für Bostridge außerdem immer wieder unbequem hoch liegende Passagen bereithalten – und gerade die Höhe erweist sich in letzter Zeit zunehmend als seine vokale Achillesferse. Antonio Pappanos Qualität als Klavierbegleiter steht der als Operndirigent in nichts nach, der Mann ist in jedem Fall ein Gewinn für Sänger.

Michael Blümke, 15.06.2013



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