Wenn die gelernte bulgarische Pianistin Vesselina Kasarova, die sich anschickt, eine der begehrtesten Mezzosopranistinnen für Mozart und Rossini zu werden, vom Salzburger Genius sagt, er sei für sie “eine andere Welt - Mozart gibt einem alles”, so gibt sie damit eine Begründung für den durchgehend dramatischen Gestus, den sie ihren Mozart-Arien unterlegt. Das ist kein Mozart “light” oder lieblich oder auch - ganz modern - gehetzt, sondern blutvolle Tiefenexegese. Betörend wirkt dies und kann exemplarisch genannt werden beim “Seufzer jammervollem Klang” Dorabellas, den grausigen Verzweiflungsausbrüchen Idamantes oder Donna Elviras wütend-verletzten, rache- und sehnsüchtigen Don-Giovanni-Erinnerungen.
Beim liebeskrank-pubertären Cherubino aber wie bei Zerlinas unschuldigem Liebesversprechen (ein Schelm, wer Böses dazu denkt) wünscht man sich etwas weniger Intensivstregister. Dies tut der Bewunderung ihres klaren, von wohldosiertem Vibrato getragenen, koloraturgewandten Soprans keinen Abbruch. Wer zudem noch die dynamische Bandbreite samt fulminanter Tiefendimension ihres grausam-stolzen Fernace (aus “Mitridate”) vernimmt, der versteht jene Mozart-Hingabe vollends. Da bleibt auch die Staatskapelle Dresden unter Colin Davis keine Begleitnuance schuldig.

Christoph Braun, 31.05.1997



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