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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte C-Dur KV 467, A-Dur KV 488, B-Dur KV 595, Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550

Keith Jarrett, Stuttgarter Kammerorchester, Dennis Russell Davies

ECM/Universal 2 CDs 1565/66
(130 Min.) 2 CDs

Wer in fremden Gewässern fischt, sollte sich vorsehen: Die Klassiker kennen nun mal kein Pardon. Andererseits ist der Katalog übervoll mit guten Mozart-Konzerten, und auch ein noch so berühmter Jazz-Pianist muss sich da einer erdrückenden Konkurrenz stellen. Ein kleines Schwarzweißfoto im Beiheft weckt ersten Argwohn: Da sitzt der ruhmreiche Mr. Jarrett an seinem Steinway und spielt seinen Part, ganz cool, aus den aufgeschlagenen Noten. Leider bestätigt auch das klingende Material diesen Sachverhalt in unerwartet drastischer Weise und enthüllt Jarretts Bemühungen als eher „vorkünstlerisches“, pedantisches Buchstabieren von offenbar nicht auswendig beherrschten Notentexten. Die Ebene der „Interpretation“ scheint da noch nicht angepeilt, statt dessen die Dokumentation einer kostspieligen Klavier-Übungsstunde mit Orchester, mit zähflüssigsten Tempi und einem stumm mittickenden Metronom: quadratisch, pedantisch und akademisch-sterbenslangweilig.
Aber vermutlich sitzt selbst bei einer solchen Kultfigur der alte Jazzer-Komplex der „Unseriosität“ so tief, dass ihm vor lauter Ehrfurcht die Finger starr wurden. Aber auch der Tonmeister kann sich schämen: Ein so ungut-halliges, klumpig-verklebtes, fahles, dabei aufdringlich-dröhnendes Klangbild wagen heute selbst Billigst-Discounter kaum noch anzubieten. Und da sich auch der Dirigent Dennis Russell Davies und sein Stuttgarter Kammerorchester mit dem Part willfähriger Klanglieferanten begnügen und dem Ganzen eine nicht mehr als passable Version der späten g-Moll-Sinfonie beisteuern, dürfte die Wirkung dieser neuerlichen Klassik-Attacke eines erfolgreichen Jazz-Labels schnell verpuffen.

Attila Csampai, 31.05.1996



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