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Evan

Antonio Faraò American Quartet

Cristal Records/Broken Silence 15282
(57 Min., 3/2013)

Indem er den Schlagzeuger Jack DeJohnette, den Kontrabassisten Ira Coleman und den Saxofonisten Joe Lovano für die seinem Sohn Evan gewidmete Produktion auswählt, hatte der italienische Pianist Antonio Faraò eine gute Hand. Denn dieses Quartett harmoniert so prächtig, als arbeiten die vier seit Jahren zusammen. Sie eint die Fähigkeit, sparsam mit Tönen umzugehen, die Quintessenz aus Melodien herauszukitzeln und die Souveränität, Rhythmen feinsinnig zu umspielen, dabei den festen Beat aufzubrechen und ihn doch stets spürbar zu halten. Dadurch erhalten die Balladen und Mid-Tempo-Kompositionen eine angenehm federnde Wirkung.
Gleichgültig, ob Joe Lovano zum Tenor- oder Sopransaxofon greift, verleiht er den Stücken durch sorgsam gesetzte, an Klangfarben reiche Tontupfer helles, lichtes Flair. Seine Frau, Judi Silvano, bereichert das Titelstück „Evan“ und „Riflessioni“ als Gast durch textfreien Vokalgesang, wobei auch sie sich in das sparsame Konzept mit lang anhaltenden Tönen einpasst. Faraò, Coleman und DeJohnette federn Lovano ebenso gelassen wie souverän und unaufdringlich ab. Einzig Faraò nimmt sich zwischendurch die Freiheit zu opulenteren Klaviersoli und schafft damit einen angenehmen Kontrast zu den sonst eher auf Transparenz und das Öffnen von Zwischenräumen angelegten Arrangements. Mit Ausnahme von John Coltranes „Giant Steps“ und Armando Trovajolis Song „Roma nun fa‘ la stupida stasera“ hat er die Themen selbst komponiert. Die klingen so logisch und schlüssig, dass sie als elegante zeitgenössische Kompositionen über den Tag hinaus attraktiv bleiben können.

Werner Stiefele, 02.11.2013



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