Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte F-Dur KV 459 und B-Dur KV 456

Melvyn Tan, Philharmonia Baroque Orchestra, Nicholas McGegan

harmonia mundi France/Helikon HMU 907138
(54 Min.) 1 CD

Mindestens fünfzehn Aufnahmen gibt es von den beiden hier vorgestellten Mozart-Konzerten des Winters 1784, darunter sogar zwei exzellente Originalklang-Versionen (mit Bilson und Immerseel). Wenn ich der neuen Einspielung des Händel-Experten Nicholas McGegan und des Hammerflügel-Spezialisten Melvyn Tan hier dennoch neue „Referenz"-Qualität zubillige, dann in erster Linie wegen der emotionalen Offenheit, dem Gestenreichtum, der atmenden Körperlichkeit und vibrierenden Menschlichkeit der Aufnahme.
Der große Münchner Musikgelehrte Thrasybulos Georgiades sagte einmal, bei Mozart sei es wichtig, hinter der Fagottstimme den Fagottisten zu hören. Und genau diesen menschlichen Hintergrund jeder instrumentalen Einzelstimme spürt man hier so deutlich wie selten zuvor. Hier spielt nicht irgendein amerikanisches Barockorchester, sondern neunundzwanzig Individuen atmen, fühlen, leiden und agieren wie in einem Mozartschen Opern-Ensemble mit- und gegeneinander. So gewinnt auch der ostasiatische Solist, den man zuvor eher als gepflegten Langweiler kannte, auf seinem wunderbar klingenden Instrument (einer modernen Kopie eines Schantz-Fortepianos von 1790) unverhoffte Ausdrucks-Qualitäten.
Auch der Tonmeister hat verstanden, worauf es ankommt: auf klare Durchhörbarkeit der Einzelstimmen und auf ein Klangbild, das die Gleichberechtigung aller Musiker inklusive des Solisten anstrebt. Und so erzählen uns auch die Holzbläser und die Hörner ihre eigenen Geschichten und preisen mit allen anderen zusammen die Schönheit der göttlichen Schöpfung.

Attila Csampai, 31.03.1996



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top