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Johann Sebastian Bach, Béla Bartók

Cellosuiten Nr. 1 und 6, Sonate für Violine solo Sz. 117

Sergey Malov

easonus EAS 29220
(66 Min., 4/2013)

Eigentlich müsste ein ehrgeiziger junger Geigenvirtuose mit den vier Saiten seines Instruments vollauf ausgelastet sein. Bei Sergey Malov ist das nicht der Fall. Er geht sein auf zwei Volumes angelegtes CD-Debut nämlich auf gleich 13 Saiten an: jenen der Geige, jenen der Bratsche und jenen des fünfsaitigen Violoncello da spalla. Schon allein seine Interpretationen von zwei der Bach'schen Cellosuiten auf dem an einem Gurt vor der Brust gehaltenen barocken Minicello ist bemerkenswert: Zwar haben schon Sigiswald Kuijken und sein Schüler Dmitry Badiarov Einspielungen auf dem erst seit wenigen Jahren wiederentdeckten Instrument vorgelegt und damit auch praktisch die These bekräftigt, dass Bach seine Suiten tatsächlich für ein solches „Schultercello“ geschrieben hat. Aber erst bei Sergey Malov kommt neben Transparenz und tänzerischer Leichtigkeit auch das virtuose Potenzial des Instruments vollauf zur Geltung.
Malovs frische, flotte, unvergrübelte und wahrhaft geigerisch empfundene Interpretation würde für ein starkes Debut genügen – doch der russische Musiker mit ungarischen Wurzeln will es sich nicht in der Nische der historischen Aufführungspraxis bequem machen: Bach stellt er die 1944 entstandene Solosuite für Geige von Béla Bartók gegenüber – und überzeugt auch hier mit einer virtuos-spielfreudigen und geradezu eleganten Interpretation, die nicht zuletzt Bartóks melodische Qualitäten herausstreicht. Der Bratscher Malov wird erst auf Vol. 2 zu erleben sein – und auch danach dürfte man noch viel von diesem in jeder Wortbedeutung „vielsaitigen“ Virtuosen hören.

Carsten Niemann, 04.01.2014



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