Responsive image
Maurice Ravel, Claude Debussy

Tzigane, Le tombeau de Couperin, Petite suite u.a.

Thomas Zehetmair, Kammerorchester Paris

naïve/Indigo 984872
(65 Min., 7/2013)

„Warum sollen wir den Verlust der bezaubernden Art, Musik zu schreiben, nicht bedauern, die wir genauso verloren haben wie die Spur Couperins? Sie mied jeden Wortschwall und besaß Geist.“ 1908 erhob der Musikkritiker Claude Debussy einmal mehr das Wort, um eine lang zurückliegende Musikepoche zu beschwören. Es war die des französischen Barocks, die für ihn besonders zwei Komponisten verkörperten: Jean-Philippe Rameau und François Couperin. In einigen Klavierstücken erwies Debussy dieser Zeit auch seine Reverenz. Wenn er auf Tanzmodelle wie das Menuett oder die Sarabande zurückgriff, die in keiner französischen Cembalo-Suite fehlen durften. Auch Maurice Ravel, der ansonsten allzu oft und leichtfertig in einem Atemzug mit Debussy genannt wird, war von dem edlen und erlesenen Klang-Geschmack des 18. Jahrhunderts und speziell seiner Landsleute mehr als angetan. Im Gegensatz zu Debussy verbeugte er sich bisweilen auch namentlich vor den komponierenden Ahnen. So mit der sechssätzigen Klaviersuite „Le tombeau de Couperin“, von der er später vier Sätze orchestrieren sollte.
Nun ist diese Couperin-Verbeugung schon fast ein ähnlich oft eingespielter Ravel-Klassiker wie die „Pavane pour une infante défunte“ und die „Tzigane“ für Violine und Orchester. Doch dem an Violine und Dirigentenpult doppeltbegabten Thomas Zehetmair gelingt hier Beeindruckendes. Die zarte poetische Atmosphäre, die feingliedrig ineinandergreifende Rhythmik und Durchsichtigkeit im Koloristischen – all das kommt bei Ravel genauso zum Zuge wie bei Debussys „Petite suite“ oder einer „Sarabande“, die Kollege Ravel orchestriert hat. Und nimmt man dann noch die Präzision und das Delikate hinzu, das dem seit 2012 von Zehetmair geleiteten Orchestre de Chambre de Paris anscheinend im Blut liegt, kann man von einer CD voller französischer, kleiner und großer Wunderdinge sprechen.

Guido Fischer, 22.02.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top