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Song For Josia

Hanna Paulsberg Concept

Øra/Rough Trade 7090015639589
(42 Min., 10/2013)

Die neue Generation norwegischer Improvisationsmusiker hat sich endgültig vom Elektro-Jazz verabschiedet, mit dem Vorgänger wie Bugge Wesseltoft und Nils Petter Molvaer Europa zur Jahrtausendwende in einen Rave-Rausch versetzten. Die junge Tenoristin Hanna Paulsberg, Tochter eines norwegischen Folk-Sängers, ist ein gutes Beispiel für diese Trendwende.
In ihrer Musik verzichtet sie komplett auf elektronische Mätzchen und vertraut ganz der Kraft ihres schweren, erstaunlich ausgereiften Tones in der Coltrane-Nachfolge. Stilistisch bewegt sich die Mittzwanzigerin mit ihrem akustischen Quartett in einer modernisierten Form des Hardbop. Vom Sound her gemahnt das an die Vergangenheit, von der Melodieführung her an die Gegenwart. Etwa in „The Lonely Ones“, in dem eine stetig anschwellende ostinatohafte Unisono-Figur von Saxofon und Bass Verwandtschaft mit den Konstruktionsprinzipien gewisser Indie-Rock-Songs zeigt.
Paulsberg ist nicht nur eine begabte Komponistin mit Gespür für klare und unverkopfte Linien (man höre den an Sonny Rollins' Calypso-Späße gemahnenden CD-Abschluss „Hemulen“), sondern weiß auch eine perfekt interagierende Band um sich. Die drei Männer an Paulsbergs Seite nehmen sich komplett zurück, wenn es sein muss, können aber auch gleichzeitig eine Nummer ordentlich zum Köcheln bringen. Vor allem der schwedische Pianist Oscar Grönberg sticht dabei als Solist von einigem Talent hervor.
Keine Frage: Mit diesem Rüstzeug hat Hanna Paulsberg durchaus das Zeug dazu, nach dem Saxofon-Überflieger Marius Neset (den sie übrigens als Mitglied des Trondheim Jazz Orchestra bei Aufnahmen und Konzerten unterstützte) zum nächsten Exportschlager der jungen norwegischen Jazzszene zu werden.

Josef Engels, 22.03.2014



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