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John Dowland

Lautenstücke

Paul O’Dette

harmonia mundi HMU 907515
(75 Min., 1/2012)

1997 erschien die fünfte und letzte Folge seiner auf Anhieb als Großtat gepriesene Gesamteinspielung von John Dowland. Seitdem ist der amerikanische Lautenist Paul O’Dette seinen Weg als Teamplayer u.a. im Boston Early Music Festival Orchestra und natürlich auch solistisch weitergegangen – auf stets Drei-Sterne- bzw. Fünf-Punkte-Niveau. Doch wer hätte jemals einen Zweifel daran gehabt: Für ihn ist Mr. Dowland weiterhin engster Gesprächspartner und dessen Musik ein Grundnahrungsmittel geblieben. Und so bekam er die Chance, aus dem riesigen Konvolut an Galliards, Pavanen und Fantasien seine zum Zeitpunkt der Aufnahme absoluten Herzensstücke erneut einzuspielen. „My Favorite Dowland“ hat O’Dette simpel seine Greatest Hits-Scheibe genannt, die alle bisherigen Dowland-Exegesen und damit sämtliche Erwartungen tatsächlich erneut um Nuancen übertrifft.
Die hohe Kunst des freien Spiels und des unbekümmerten Gesangs auf einer achtchörigen Prior-Laute hat O’Dette noch einmal derart perfektioniert und mit dem Leben gefüllt, dass es nur so eine Wonne ist. Wie oft hat man sich beispielsweise an solchen raffinierten und zugleich volkstümlich gehaltenen Dowland-Schlagern wie „The Frog Galliard“ und „The Shoemaker´s Wife“ ergötzt – dennoch kommt das Stimmengeflecht noch reicher, die Ornamentik noch verzaubernder und der musikalische Erzählfluss diesmal noch inniger daher. Und bei der finalen Gemüts-Initiale des Komponisten, in „Semper Dowland semper dolens“, schafft es O’Dette endgültig, Musik in ihren menschlichen Urzustand zu überführen. O’Dettes Schallplattenfirma sollte unbedingt darüber nachdenken, aus „My Favorite Dowland“ solange eine Fortsetzungsstory zu machen, bis eine zweite Gesamteinspielung komplett ist.

Guido Fischer, 31.05.2014



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