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Life To Everything

Phronesis

Edition/Soulfood EDN 1050
(64 Min., 11/2013)

Dass sich die Mitglieder des anglo-skandinavischen Piano-Trios Phronesis wortwörtlich blind verstehen, haben der dänische Bassist Jasper Høiby, der britische Pianist Ivo Neame und der schwedische Schlagzeuger Anton Eger in der Vergangenheit mit einem ungewöhnlichen Projekt bewiesen: Unter dem Rubrum „Pitch Black“ veranstalteten die drei Musiker Konzerte in allumfassender Dunkelheit.
Vor diesem Hintergrund ist es wohl nicht weiter verwunderlich, dass es Phronesis auch versteht, in einem beleuchteten Club wie dem Londoner „The Cockpit“ seine Magie zu entfalten. Im Gegensatz zu den anderen Piano-Trios der Gegenwart setzen Høiby, Neame und Eger dabei nicht auf freundliche, aus dem Pop entliehene Melodien, sondern auf ein komplexes, stark verzahntes Gemisch aus rhythmischen Patterns. Wie etwa in dem Eröffnungsstück „Urban Control“, das mit einer quirligen absteigenden Bass-Linie des Bandleaders Høiby beginnt und sich zu einer wahnwitzigen Trio-Achterbahnfahrt mit ungeahnten Loopings steigert.
Immer wieder scheinen folkloristische Motive schwer zu definierenden Ursprungs in den Stücken von Phronesis durch. So in „Behind Bars“, das Spuren eines auseinandergenommenen skandinavischen Volksliedes birgt, oder im „Song For The Nomads“, das nach einem jarretthaften Klavier-Intro einen merkwürdigen Weg in Richtung Lateinamerika, Osteuropa und Orient einschlägt.
So oder so erweist die Live-Aufnahme „Life To Everything“, dass es sich bei Phronesis um eine der leistungsstärksten Lichtmaschinen des zeitgenössischen europäischen Jazz handelt.

Josef Engels, 07.06.2014



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