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Louis Spohr

„Reisesonate“ op. 96, Duo concertant op. 95, Grand duo concertant op. 112 u.a.

Francesco Parrino, Michele Fedrigotti

Stradivarius/Note 1 STR 33933
(125 Min., 6 & 8/2012) 2 CDs

Wenn man bedenkt, dass gefühlt 99 % der weltweit angebotenen Reisesouvenirs Schrott sind, verwundert es umso mehr, dass ausgerechnet Louis Spohrs „Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“ erst jetzt erstmals auf Tonträger erhältlich sind. Zumal sowohl die Musik wie auch das Reisen im Jahre 1836, als der gefeierte Komponist und Violinvirtuose zu seiner Tour aufbrach, noch im wahrsten Sinne des Wortes romantisch waren. Spohr verliert sich auch nicht in tonmalerischem Kleinklein: Zwar klingen hier und da Posthornsignale und die Weisen der in Sachsen beliebten böhmischen Musikanten an, doch ist diese Motivik gerade in den Ecksätzen stets in einen größeren formalen Zusammenhang gestellt. Dokumentarisch ist nur der langsame Satz, in dem Spohr, der sich in seinem Spiel stark an der aktuellen Gesangskunst orientierte, den von Orgelspiel eingeleiteten Gesang eines Kastraten in der katholischen Hofkirche in Dresden imitiert. Flankiert wird die Sonate von zwei weiteren großen „Duo concertants“ sowie den ebenfalls ersteingespielten „Sechs Duettinen“, in denen Spohr Mendelssohns Idee der „Lieder ohne Worte“ auf die Duobesetzung von Violine und Klavier überträgt. Francesco Parrino und Michele Fedrigotti interpretieren diese Preziosen, die nur hier und da von der Augenhöhe mit Mendelssohn oder Weber zu einem salonhafteren Ton absinken, auf einer aparten, leicht strohig aber nicht flach klingenden zeitgenössischen Violine und einem volltönenden, etwas halligen Broadwood-Flügel von 1849 mit genauer Kenntnis der historischen Aufführungspraxis. Differenzierte, reiche Klangfarben und eine überlegte Virtuosität, die sich vom kraftmeierischen Impuls der Paganini-Nachfolge abgrenzt, sind neben dem Repertoirewert das große Plus dieser Aufnahme. Nur in den vorwärtsdrängenden Vivace-Sätzen geben sich die beiden Italiener bei ihrem Ausflug zu den Nachbarn dann doch etwas zu grüblerisch-zurückhaltend – um nicht zu sagen: zu deutsch.

Carsten Niemann, 05.07.2014



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