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Robert Schumann, Heinz Holliger

Aschenmusik

Heinz Holliger, Anita Leuzinger, Anton Kernjak

ECM/Universal 4810957
(74 Min., 7/2012, 11/2013)

Wie Heinz Holliger einmal gestanden hat, ist für ihn Robert Schumann ein Idol seit den Teenagertagen. Und zum Glück kann er heute seiner Bewunderung gleich doppelt Ausdruck verleihen: Als Weltklasse-Oboist weist er sich in den Schumann´schen Romanzen op. 94 als schwärmerischer „Liedsänger ohne Worte“ aus. Und als Komponist geht Holliger andere, mal kompromisslos verschachtelte, mal expressiv beklemmende Wege, um das Konfliktpotential gerade in Schumanns Spätschaffen und seinen letzten Lebensjahren zu ergründen. Eines seiner Großwerke, die 1987 entstandene Reflexion über Schumanns letzten vollendeten Klavierzyklus „Gesänge der Frühe“, hatte Holliger vor fünf Jahren für das ECM-Label dirigiert. Außerdem erklangen auf dem Album Holligers „Romancendres“ für Violoncello und Klavier, für die er sich jenen Cello-Romanzen Schumanns aus dem Jahr 1853 anzunähern versuchte, die wohl später von Clara Schumann vernichtet wurden.
Auch auf der aktuellen CD, mit der Holliger zum 75. Geburtstag gratuliert wird, finden sich diese sechs „Romancendres“ wieder. Diesmal haben sich die beiden jungen Musiker Anita Leuzinger (Violoncello) und Anton Kernjak (Klavier) in die kargen, äußerst zerklüfteten und geheimnisvollen Klanglandschaften vorgewagt, die Holliger in Anlehnung an die verbrannten Schumann-Manuskripte als eine Art „Aschenmusik“ bezeichnet. In welchem Kontrast stehen dazu die ausgewählten Kammermusikwerke Schumanns, bei denen Holliger mit seinem unvermindert erlesenen Oboen-Atem betört. Das gilt für die „Drei Romanzen“ genauso wie für die „Sechs Stücke in kanonischer Form“ in einer leicht veränderten Trio-Bearbeitung von Schumann-Freund Theodor Kirchner. Als besondere diskografische Entdeckung darf zudem Schumanns 1. Violinsonate in einer von Schumann abgesegneten Version für Cello und Klavier gelten.

Guido Fischer, 19.07.2014



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