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Hanns Eisler

Roaring Eisler - Suiten, Balladen und Chansons von Hanns Eisler

HK Gruber, Ensemble Modern

RCA/BMG 74321 56882
(70 Min., 1/998) 1 CD

Mit Veranstaltungen zum Brecht-Jahr sind wir reichlich bedacht worden, aber Eisler? Die Beschäftigung mit diesem Komponisten, der ebenfalls 1898 geboren wurde, fand größtenteils auf wissenschaftlicher Ebene statt; auf dem Plattenmarkt beschränkte man sich hauptsächlich auf Wiederveröffentlichungen. Überhaupt haftet Eisler bis heute der ungerechtfertigte Nimbus des regimetreuen Funktionärs-Komponisten an, des Schöpfers der DDR-Hymne eben, und dabei wird es meist belassen.
Da kommt die neue CD des Ensembles Modern gerade recht. Bei der Plattenfirma vertraut man wohl auch nicht auf die Zugkraft Eislers, denn wer uns vom Cover breit angrinst, ist nicht Eisler, sondern HK Gruber, Dirigent und Chansonnier dieses Eisler-Programms. Man mag es durchaus als eine kleine Provokation ansehen, daß Gruber bewußt jene Werke vorstellt, die Eisler selbst als “Kampfmusik” apostrophiert hat - politische Lieder nach Brecht, Tucholsky und anderen sowie aus ebenfalls politischen Filmen zusammengestellte Orchestersuiten.
Und die Rechnung geht auf, denn eines wird auf dieser Einspielung klar wie selten zuvor: Eislers Musik hat, ungeachtet ihrer politischen Inhalte, genügend kompositorische Qualität, um auch heute noch zu überzeugen. Sie ist eben nicht platt, sondern schlank, transparent und wunderbar bissig, ein lebendiges Zeugnis der “Roaring twenties”. Das Ensemble Modern trifft perfekt den “Extrablatt!”-Tonfall der Suiten, ihre jazzig treibende Rhythmik ebenso wie die unsentimentale Lyrik. Grubers aggressive, wienerisch-sarkastische Diktion (Eisler wuchs in Wien auf!) verzichtet auf Barrikaden-Pathos und trifft gleichwohl ins Schwarze. Schwer vorstellbar, daß diese Musik jemals mitreißender interpretiert wurde!

Thomas Schulz, 31.05.1998



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