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The Lagos Music Salon

Somi

Okeh/Sony 88883796302
(69 Min.)

Vor etwas mehr als fünfzig Jahren verließ Miriam Makeba notgedrungen Afrika und startete in den USA ihre Weltkarriere. Die 1979 in Illinois als Tochter eines Elternpaars aus Ruanda und Uganda geborene Sängerin Somi ging unlängst den umgekehrten Weg. Ermutigt von Makebas Ex-Mann Hugh Masakela zog die junge Vokalistin, die in der Vergangenheit unter anderem mit Roy Hargrove zusammenarbeitete, von Nordamerika ins nigerianische Lagos.
Ein Ortswechsel, der ähnlich folgenreich sein könnte wie Makebas Reise. Denn mit „The Lagos Music Salon“ definiert Somi den Kulturaustausch zwischen afrikanischen Grooves, amerikanischem Soul und global funktionierendem Pop ähnlich neu wie ihre prominente Vorgängerin.
Auf der Basis westafrikanischer Perkussions- und Basslinien kommt es bei Somi zu eigenwilligen Stil-Kombinationen: Da trifft ein an Led Zeppelin gemahnendes Gitarrenriff auf einen Refrain wie aus einem James-Bond-Soundtrack („Still Your Girl“), da begegnen sich ein kratziges Streichertrio mit dem Rapper Common und einem Kinderchor zum Klang von Marschtrommeln („When Rivers Cry“), da verbinden sich Gesang, Klavierakkorde und Jazztrompete (gespielt von Ambrose Akinmusire) zu einer kammermusikalischen Ballade („Brown Round Things“).
Afro-Funk (gemeinsam mit Angélique Kidjo), Spoken-Word-Poesie, in der Somi differenziert ihre zwischen Befremden und Wiedererkennen changierenden Reiseerfahrungen kleidet („Shine Your Eye“), sowie die Übertragung eines Nina-Simone-Songs auf afrikanische Verhältnisse („Four African Women“) sind weitere wichtige Eckpfeiler des weltoffenen „Lagos Music Salon“. Und dabei wird klar: Die in ihrer gesanglichen Nuanciertheit zuweilen an Dianne Reeves erinnernde Somi ist zweifellos die würdige und coole Enkelin von Nina und Miriam.

Josef Engels, 02.08.2014



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