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Frédéric Chopin

Werke

Sophie Pacini

CAvi Music 8553309
(69 Min., 12/2013)

Wie erfreulich, dass immer mal wieder Platten wie diese veröffentlicht werden. Platten von jungen Künstlern, die bisher nur ein paar Eingeweihten bekannt waren und die dann gleich so sicher auftreten, mit einem so profunden Verständnis der Musik, die sie spielen. Die 22-jährige Sophie Pacini, geboren in München als Tochter einer deutscher Ärztin und eines italienischen Literaturprofessors, kann jetzt schon für sich beanspruchen, einen eigenen Chopin gefunden zu haben. Nicht, dass sie auf ihrer dritten CD (zwei Produktionen zuvor resultierten aus Wettbewerbsgewinnen) hinlänglich bekannte Werke gegen den Strich bürsten würde oder glaubte, es tun zu müssen – ihre persönlich Lesart basiert statt dessen auf einer profunden Textkenntnis und dem festen Willen, diese Erkenntnis in jede Phrase ihrer Interpretation hineinzutragen. Wenn Pacini etwa über die einleitende f-Moll-Ballade sagt, dass ihr Herz nach den Schlussakkorden bis zum Halse klopfe, dann darf sie ihre Zuhörer an ihrer Seite wissen.
Denn auch er bangt um einen Komponisten, der ein Manisch-Depressiver ist, dessen Mut jederzeit umschlagen kann in Verzweifelung. So ist man vorgewarnt, wenn Pacini die sich anschließende Nocturne Es-Dur op. 9/2 so viel leichter und freundlicher, auch schneller nimmt als die meisten ihrer Kollegen: Im Hintergrund schwelt da schon die Sorge um den nächsten Absturz. In der Tat, im Scherzo op. 31 folgt er auf dem Fuß: Von langer Hand, mit fließendem Tempo und überlegenem Rubato aufgebaut, immer wieder leicht abgebremst, zurückgehalten, verzögert, entlädt sich die Spannung in Schlägen, deren Wucht tatsächlich erschüttert. Und so geht es weiter – bis zur finalen Polonaise op. 61. Sophie Pacinis Chopin lässt einem keine Ruhe.

Raoul Mörchen, 16.08.2014



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