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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 1 (Version Hamburg 1893)

NDR Sinfonieorchester, Thomas Hengelbrock

Sony 88843050542
(55 Min., 5/2013 - 1/2014)

29 Jahre alt war Gustav Mahler, als seine erste Sinfonie 1889 in Budapest uraufgeführt wurde, doch überarbeitete er sie bis zu seinem Tod immer wieder, so dass die heute üblicherweise zu hörende Endfassung aus dem Jahr 1910 datiert. Aus den verschiedenen Zwischenstufen in der Entwicklungsgeschichte des Werkes hat Thomas Hengelbrock für seine Einspielung die Version gewählt, die Mahler 1893 während seiner Hamburger Zeit als erster Kapellmeister der städtischen Oper für eine Aufführung im Konzerthaus Ludwig einrichtete. Der auffälligste Unterschied zur allseits bekannten Werkgestalt findet sich in dem an zweiter Stelle stehenden zusätzlichen Satz mit dem Titel "Blumine", den der Komponist später strich.
Doch nicht nur wegen der Bekanntschaft mit dieser Hamburger Fassung lohnt sich die neue Aufnahme des NDR Sinfonieorchesters unter seinem Chefdirigenten, sondern vor allem wegen des Spiels dieses großartigen Klangkörpers. Man muss einfach gehört haben, wie Hengelbrock den Beginn des ersten Satzes aus einem flirrenden Nichts entstehen lässt, ihm ganz allmählich Kontur gibt und Raum schafft, unendlich delikat das Geschehen entwickelt. Den zweiten Satz, besagte "Blumine", gestaltet das Orchester mit schwelgerischem Ton, eingebettet darin die weiche und einschmeichelnde Solotrompete von Guillaume Couloumy. Das Scherzo wird beherzt, aber nicht derb dargeboten, mit einem eleganten Walzer im Trio. Sehr eindrücklich gelingt der Trauermarsch, ganz wunderbar kommen die ironischen und parodistischen Töne des vierten Satzes zum Klingen. Das Finale schließlich präsentiert sich nicht pompös aufgedonnert, sondern als Ausdruck tiefster menschlicher Verzweiflung. Die Hamburger zelebrieren keinen dramatischen Overkill, sondern bieten eine geradezu intime – und unerhört bezwingende – Lesart.

Michael Blümke, 23.08.2014



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