Responsive image
André Previn, Dimitri Schostakowitsch, Johannes Berauer

Cellosonaten, Passacaglia

Matthias Bartolomey, Clemens Zeilinger

Ars Produktion/Note 1 ARS 38149
(64 Min., 2/2014) SACD

Der Cellist Matthias Bartolomey, den wir auf dieser CD hören, ist der jüngste an diesem Programm beteiligte – zum Zeitpunkt der Einspielung war er 28 Jahre alt. Dass Interpreten deutlich weniger betagt sind als die Komponisten, die sie interpretieren, ist im klassischen Sektor eigentlich nicht ungewöhnlich. Allerdings präsentieren die beiden Wiener Bartolomey und Zeilinger ein reines 20./21.-Jahrhundert-Programm, dessen jüngstes Stück eine Passacaglia ihres Landsmannes Johannes Berauer (geboren 1979) ist. Dimitri Schostakowitschs Sonate für Cello und Klavier von 1934 präsentiert sich dagegen fast schon als Museumsstück, und sie ist in der Tat das „melodiöseste“ Stück des Programms; aber Schostakowitsch wäre nicht Schostakowitsch, wenn hinter all der Kantabilität nicht ein gähnender Abgrund lauern würde. Zwischen diesen großartigen Werken liegt André Previns Cellosonate von 1993, die der Komponist selbst mit Yo-Yo Ma eingespielt hat.
Wir haben des Komponisten eigene Version dieser klassisch-jazzigen Tour de Force noch nicht gehört, zögern aber dennoch nicht, die Darbietung auf der vorliegenden CD in den höchsten Tönen zu loben: Bartolomey und Zeilinger machen jegliche Kantilene – sei sie kantabel, sei sie kantig, sei sie widerborstig ohne Ende – zum Erlebnis gründlichst reflektierter Nachschöpfung. Technische Probleme behindern auch im gefährlichsten Getümmel niemals ihre Performance; dafür regieren interpretatorische Überlegenheit und stupende Sensibilität für jeglichen Ausdruckswinkel der Musik. André Previn äußerte sich in einem Filmporträt von 2006, dass er sich um den Fortbestand der klassischen Musikkultur eigentlich keine Sorgen macht. Man muss Interpreten wie diese gehört haben, um zu verstehen, was er meint.

Michael Wersin, 30.08.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Saitenwechsel: Es ist schon seltsam, dass die zeitliche Distanz zu den Suiten eines François Couperin oder Jean-Philippe Rameau viel deutlicher hervortritt, wenn man sie statt auf einem Cembalo auf einem modernen Flügel spielt. Während das knackig-bissige Cembalo mit dieser Musik eine zeitlich stimmige Einheit bildet, trägt der fließende, weiche Klang eines Flügels etwas Vermittelndes bei. So als hörte man von einer Geschichte nur aus der rückblickenden Erzählung oder als würde man […] mehr »


Top