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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 3 c-Moll op. 37 & Nr. 4 G-Dur op. 58

Maria João Pires, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Daniel Harding

Onyx/Note 1 ONYX4125
(72 Min., 10/2013)

Persönlichkeit, so behauptet Maria João Pires in der kurzen Einführung zu dieser Aufnahme, werde bei Interpretationen eine überzogene Bedeutung zugemessen. Weder gehe es darum, als Interpret hinter der Persönlichkeit des Komponisten zu verschwinden noch – als anderes Extrem – dem Werk partout einen eigenen Stempel aufzudrücken. Pires glaubt vielmehr daran, dass Musik die essentielle Kraft besitze, einen „freundschaftlichen Austausch“ zu ermöglichen, „bei welchem sich Komponist und Interpret über Jahrhunderte und Landesgrenzen hinweg lauschen.“ Mag die Pianistin damit die Grenze des Esoterischen streifen – im tatsächlichen Erklingen erweist sich ihre Philosophie als äußerst fruchtbar. Zunächst einmal sind es allerdings Solistin und Orchester, die einander zuhören: Pires und Harding finden dabei zu einem sinfonischen Sound, der den „modernen“ Instrumenten, auf denen sie spielen, angemessen ist, und führen doch gleichzeitig einen intensiven kammermusikalischen Dialog. Überbetonungen äußerlicher Sturm- und Drang-Gesten, wie sie so oft bei Beethoven-Interpreten auftauchen, vermeiden sie weitgehend: Kraft und Energie dieser Musik manifestieren sich hier weniger in explodierenden sforzati, aufgepeitschten Rhythmen oder forcierten Tempi, sondern scheinen vielmehr aus der Intensivität der Wahrnehmung zu entstehen. Mehr nach innen als nach außen horchend ergeht sich die Solistin etwa im Schlusssatz des vierten Konzerts in kristallinen Arabesken, ohne den Bezug zu den bedeutungsvoll herausgehobenen Linien von Kontrabass oder Fagott zu verlieren. Statt statisch zu wirken, führt diese gemeinsame Aufmerksamkeit für Details zu einer unforcierten, aber durchgehenden erwartungsvollen Spannung, die sich am Ende mit der ruhigen Kraft eines Naturereignisses entlädt.

Carsten Niemann, 06.09.2014



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