home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Responsive image

Wildern

Tobias Christl

ACT/Edel 1096732ACT
(57 Min., 6/2013 & 5/2014)

Eigentlich ist die Idee mittlerweile ein ähnlich alter Hut, wie er auf dem Cover zu sehen ist: Ein Jazz-Quartett plus Sänger macht sich über eine Reihe von Pop-Songs her. Dass man die in der ACT-Reihe „Young German Jazz“ erschienene CD „Wildern“ nicht sofort müde abwinkend aus dem CD-Player befördert, verdankt sich Tobias Christl.
Wenn man von seinen an Michael Schiefel erinnernden Effektgerät-Spielereien absieht, hat Christl nämlich zunächst nicht viel mit dem jazzgesangsüblichen Anforderungsprofil gemein – und ist gerade deshalb der optimale Interpret für Stücke von Radiohead („I Will“), Rio Reiser („König von Deutschland“) oder New Order („Blue Monday“). Bei seiner Version des A-ha-Hits „Take On Me“ könnte man sogar meinen, dass der Original-Sänger Morten Harket am Mikrofon steht.
Christl klingt wie ein Pop-Vokalist, weigert sich aber, wie einer zu denken. Was dazu führt, dass die Lieder deutlich erkennbar bleiben und gleichzeitig komplett umgekrempelt werden. Lana Del Reys „Video Games“ etwa wird so lange zerdehnt, gespiegelt und verzerrt, bis man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht; im „König von Deutschland“-Refrain wiederholt Christl die Worte „das alles“ so oft, als habe die Platte mit der Original-Aufnahme einen Hänger.
Ähnlich eigenwillig sind die Arrangements für die musikalischen Begleiter. Saxofonist und Klarinettist Peter Ehwald übernimmt dabei oftmals mit asymmetrischen Riffs die Aufgabe eines Gitarristen, was dem tatsächlichen Gitarristen Sebastian Müller Raum und Zeit für Akkordflächen und Noise-Soli (etwa in „Take On Me“) gibt. Die gängige saubere Aufteilung in Thema-Solo-Thema findet man auf „Wildern“ jedenfalls nirgends.
Das ist einerseits interessant und lobenswert, andererseits ein bisschen so, wie Christl den Umgang mit dem Material im CD-Klappentext beschreibt: „Als hätte der Muttersong ein wild pubertierendes Kind zur Welt gebracht.“ Will heißen: ein bisschen anstrengend und nervig.

Josef Engels, 04.10.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top