home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image
Francesco Geminiani, Georg Friedrich Händel

The Enchanted Forest, La Follia, Armida abbandonata HWV 105

Robin Johannsen, Les Passions de L'Ame, Meret Lüthi

deutsche harmonia mundi/Sony 88843040882
(60 Min., 1/2014)

1754, schon ziemlich am Ende des Barockzeitalters, nahm sich Francesco Geminiani (1687 - 1762) noch einmal einer der populärsten Geschichten seiner Epoche an: Es handelt sich um die Liebesgeschichte zwischen dem Kreuzritter Rinaldo und der orientalischen Zauberin Armida. An deren Ende befreit sich der anmutige junge Recke zwar unter dem unsanften Druck seiner Kameraden aus den Liebesbanden Armidas, doch umso intensiver beschwor man den geheimnisvollen Zauber der exotischen Verführerin und scheute sich auch nicht, ihren Schmerz über den Verlust Rinaldos mit großem Einfühlungsvermögen zu schildern. Geminianis Concerto grosso „The Enchanted Forest“ ist unter diesen Schilderungen eine Besonderheit, weil es ursprünglich als Bühnenmusik für eine Pantomime des bedeutenden Theaterausstatters Jean-François Servandoni konzipiert war. Leider ging bei der Umarbeitung die genaue Zuordnung der musikalischen Sätze zu den opulent ausgestatteten Bühnensituationen verloren.
Dem Ensemble „Les Passions de L'Ame“ gelingt es dennoch, die Geschichte plastisch zu erzählen: Das geheimnisvolle Rauschen des Zauberwaldes, das Geminiani mit ganz sparsamen Streicherfiguren andeutet, ist ebenso klar zu identifizieren wie der prachtvolle Einzug der Kreuzritter mit Hörnern und Trompeten, der wiederum mit Armidas Verführungskünsten zu basslos schwebenden Traversflöten konterkariert wird. Hilfreich für das Verständnis ist auch Händels Kantate „Armida abbandonata“, die zwischen die beiden Teile des Concerto grosso eingeschoben ist – zumindest dann, wenn man sich die Übersetzung des Texts aus dem Internet fischt. Robin Johannsen gibt die verlassene Zauberin in einer hervorragend deklamierten, klaren und stimmschönen Interpretation. Und auch wenn sie in der nicht zufällig mit „Siciliana“ bezeichneten Abschlussarie etwas südländischer schmachten dürfte, so nimmt sie Armida durch ihre schlanke Stimmgebung etwas von dem Matronenhaften, das dieser Figur oft anhaftet.

Carsten Niemann, 11.10.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top