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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Francesco Geminiani, Georg Friedrich Händel

The Enchanted Forest, La Follia, Armida abbandonata HWV 105

Robin Johannsen, Les Passions de L'Ame, Meret Lüthi

deutsche harmonia mundi/Sony 88843040882
(60 Min., 1/2014)

1754, schon ziemlich am Ende des Barockzeitalters, nahm sich Francesco Geminiani (1687 - 1762) noch einmal einer der populärsten Geschichten seiner Epoche an: Es handelt sich um die Liebesgeschichte zwischen dem Kreuzritter Rinaldo und der orientalischen Zauberin Armida. An deren Ende befreit sich der anmutige junge Recke zwar unter dem unsanften Druck seiner Kameraden aus den Liebesbanden Armidas, doch umso intensiver beschwor man den geheimnisvollen Zauber der exotischen Verführerin und scheute sich auch nicht, ihren Schmerz über den Verlust Rinaldos mit großem Einfühlungsvermögen zu schildern. Geminianis Concerto grosso „The Enchanted Forest“ ist unter diesen Schilderungen eine Besonderheit, weil es ursprünglich als Bühnenmusik für eine Pantomime des bedeutenden Theaterausstatters Jean-François Servandoni konzipiert war. Leider ging bei der Umarbeitung die genaue Zuordnung der musikalischen Sätze zu den opulent ausgestatteten Bühnensituationen verloren.
Dem Ensemble „Les Passions de L'Ame“ gelingt es dennoch, die Geschichte plastisch zu erzählen: Das geheimnisvolle Rauschen des Zauberwaldes, das Geminiani mit ganz sparsamen Streicherfiguren andeutet, ist ebenso klar zu identifizieren wie der prachtvolle Einzug der Kreuzritter mit Hörnern und Trompeten, der wiederum mit Armidas Verführungskünsten zu basslos schwebenden Traversflöten konterkariert wird. Hilfreich für das Verständnis ist auch Händels Kantate „Armida abbandonata“, die zwischen die beiden Teile des Concerto grosso eingeschoben ist – zumindest dann, wenn man sich die Übersetzung des Texts aus dem Internet fischt. Robin Johannsen gibt die verlassene Zauberin in einer hervorragend deklamierten, klaren und stimmschönen Interpretation. Und auch wenn sie in der nicht zufällig mit „Siciliana“ bezeichneten Abschlussarie etwas südländischer schmachten dürfte, so nimmt sie Armida durch ihre schlanke Stimmgebung etwas von dem Matronenhaften, das dieser Figur oft anhaftet.

Carsten Niemann, 11.10.2014



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