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Go With The Wind

Jasper van't Hof, Tony Lakatos

Jaro/Jaro 43192
(48 Min., 2014)

Als sich der holländische Keyboarder Jasper van't Hof zum ersten Mal für eine Aufnahme an eine Kirchenorgel heranwagte, war das Ergebnis im wahrsten Sinne des Wortes eine unwirkliche Begegnung: Für die CD „Un incontro illusorio“ steuerte der Drummer Joey Baron damals nachträglich einige Schlagzeugspuren hinzu.
Jetzt hat Van't Hof aus dem „illusorischen“ Zusammentreffen mit einem anderen Musiker endlich ein handfestes gemacht. Gemeinsam mit dem ungarischen Saxofonisten Tony Lakatos, langjähriger Kompagnon in Van't Hofs populärer Ethnojazz-Formation „Pili Pili“, schloss sich der Niederländer in der Kirche St. Fabian und Sebastian im westfälischen Osterwick ein.
Das Ergebnis der Klausur ist bemerkenswert. Ganz anders als die wenigen für ihre Auseinandersetzung mit der Kirchenorgel bekannten Jazzmusiker wie beispielsweise Barbara Dennerlein versucht Van't Hof nicht, das mächtige und schwerfällige Instrument auf Teufel komm raus zum Swingen zu bringen. Der gewiefte Jazzrock-Veteran betrachtet die Kirchenorgel vielmehr als Vorläufer des Synthesizers und entlockt ihr bei seinem Gottesdienst auf dem Altar des Sounds höchst eigenwillige Klänge.
Das Spektrum reicht von an Weather Report gemahnenden Kirchenjazzrock („Terminal Ararat“) über frei erfundene Broadway-Schlager („Mirror Of Broadway“) bis hin zu beinahe ketzerischen Experimenten, die freilich nicht auf dem Scheiterhaufen enden: Im Stück „Formule E“ beispielsweise umtanzt ein immer größer werdender Kreis an Orgelpfeifen wie bei einem Hexen-Sabbath Lakatos' klagendes Saxofon, das sich nach Leibeskräften zur Wehr setzt. In „Blow Me Over The Highlands“ verwandelt Van't Hof die Kirchenorgel in eine schottische Armada aus Dudelsäcken und Drehleiern; Lakatos bewegt sich dazu durch die Kirche und entlockt seinem Sopransaxofon Orientalismen. Alles in allem: ein Heidenspaß!

Josef Engels, 25.10.2014



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