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Edward Elgar

Sinfonie Nr. 2

London Symphony Orchestra, Colin Davis

LSO Live/Note 1 0018
(57 Min., 10/2001) 1 CD

Zu Colin Davis' Einspielung von Elgars Zweiter Sinfonie lässt sich Ähnliches berichten wie zu seiner ebenfalls live aufgenommenen Interpretation der Sinfonie Nr. 1 (siehe Rezension) - mit einem Unterschied: Sie ist überzeugender geraten. Wiederum wählt Davis relativ gemessene Tempi, im Gegensatz etwa zu den stürmischen, temperamentvollen Interpretationen von Georg Solti oder Charles Mackerras (beide Decca). Doch ist der Gesamteindruck diesmal wesentlich einheitlicher, und es fehlt weder an Leidenschaft im Kopfsatz, an tragisch umwehter Innigkeit im Larghetto noch an zupackender Verve im Scherzo. Unvergleichlich getroffen ist die milde Resignation in der Coda des Finales, die so meilenweit entfernt ist vom affirmativen Optimismus der Ersten Sinfonie.
Nun ist die Zweite einfach das bessere Werk, auch wenn sie es an Popularität niemals mit Elgars sinfonischem Erstling aufnehmen konnte; sie ist tiefgründiger, kühner, vielschichtiger, bewohnt ein emotionales Zwielicht, das nicht allzu weit entfernt von der Welt Mahlers angesiedelt ist, wenn auch mit deutlich britischer Färbung.
Das Motto des Werks, Shelleys Zeilen "Selten, nur selten nahst du dich, Geist der Freude" zieht sich durch alle vier Sätze - Gemütshaltungen wie Freude und Euphorie werden zwar beschworen, gleichzeitig jedoch immer wieder in Frage gestellt, im Scherzo sogar brachial attackiert, und der milde Epilog wirkt wie ein wehmütiger Abgesang auf eine untergehende Epoche. Angesichts der Entstehungszeit des Werks - 1911 wurde es uraufgeführt - mutet seine Grundaussage prophetisch an.
Davis bringt diese Ambivalenz zwischen Grandeur und Abschied wunderbar zum Klingen, und wiederum stachelt er sein Orchester - zum Teil als Vokaleinlage deutlich hörbar! - zu Höchstleistungen an. Der relativ trockene Klang fällt dabei weniger ins Gewicht als in der Einspielung der Ersten Sinfonie.

Thomas Schulz, 08.08.2002



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