Responsive image

Xenon

Eva Klesse

Enja/Soulfood ENJ9614
(52 Min., 10/2013)

Mit „Xenon“ legt eine außergewöhnliche Musikerin das Debütalbum ihres Quartetts vor. Eva Klesse ist nicht einfach nur Drummerin, sondern umfassende musikalische Gestalterin ihrer Band. Klesses Anliegen ist es nicht, ihre Schlagfertigkeiten im Powerplay in Szene zu setzen, vielmehr schafft sie quasi ein klangrhythmisches Bühnenbild für raffiniert gestaltete Kompositionen, die allesamt einer leicht melancholischen Besinnlichkeit verpflichtet sind. Acht Titel stammen von Klesse selbst, zwei weitere von ihrem Pianisten Philip Frischkorn und einer vom Kontrabassisten Robert Lucaciu. Neben Frischkorn ist der russischstämmige Saxofonist Evgeny Ring Hauptsolist des Quartetts. Alle Bandmitglieder sind zwischen 24 und 28 und haben sich in Leipzig gefunden, der Stadt, die mittlerweile für die Szene eine ähnliche Rolle spielt, wie einst das Berlin der Nachwendezeit.
Der freundschaftliche Umgang der Quartett-Mitglieder miteinander hat sein Pendant in den Abläufen der Musik mit ihren zirkulierend wechselnden Bindungsgefügen unter den Beteiligten. Das Klavier besticht dabei mit sensibel klassischer Anschlagskultur, das Saxofon greift mit fast klassischem Ton und mühelos wirkender Geschmeidigkeit auf die Jazztradition zurück; der Kontrabass befördert mit tief gründendem harmonischem Verständnis und beseeltem Ton die fließenden Beziehungsbewegungen, und das Schlagzeug gestaltet führend deutend mit warmen Sounds die umfassende Raumhülle für die spannend durchgestalteten Diskurse. Die sonst absurde Spreizung der perkussiven Klänge über das ganze Stereopanorama ist somit konsequent. „Xenon“ ist also uneingeschränkt der Traum-Einstand einer traumhaften Band.

Thomas Fitterling, 20.12.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Am seidenen Faden: Das hatte sich die kretische Königstochter sicher anders vorgestellt. Der schneidige Athener Prinz Theseus, mit dem sie von Zuhause ausgebüchst war, lässt sie auf der erstbesten der zahlreichen griechischen Inseln schlafend am Strand liegen und sticht in See. Dabei hatte sie ihm das Eheversprechen abgeluchst, bevor sie ihm im Gegenzug aus dem Labyrinth des Minotaurus heraushalf – mithilfe eines einfachen Fadens, den dieser beim Gang ins Innere abspulte und beim Weg zum […] mehr »


Top