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Johann Sebastian Bach

Wachet! Betet! Betet! Wachet! BWV 70, Süßer Trost, mein Jesus kömmt BWV 151, Allein zu dir, Herr Jesu Christ BWV 33 (Kantaten Vol. 12)

Gudrun Sidonie Otto, Margot Oitzinger, Daniel Johannsen, Wolf Matthias Friedrich, Gerlinde Sämann, Alex Potter, Clemens Flämig, Philippe Rayot, Ruth Sandhoff, Andreas Post, Markus Volpert, Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich, Rudolf Lutz

Bach-Stiftung St. Gallen/Naxos B261CD
(61 Min., 8/2007, 11-12/2013)

Nicht jeder wird angesichts der wortgewaltigen Ankündigungen des Weltgerichts fromm die Hände falten – doch wach macht Bachs Kantate „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“ in dieser Interpretation in jedem Fall. Und das hat auch seinen Grund: Schließlich will die Bach-Stiftung St. Gallen, die mit dieser Einspielung beim zwölften Band ihrer geplanten Gesamtaufnahme des Bach'schen Vokalwerks angelangt ist, auch die Aufmerksamkeit der Hörer auf die häufig belächelten Kantatentexte des Thomaskantors lenken. Bei den monatlichen Kantaten-Aufführungen, welche die Stiftung in der Barockkirche von Trogen bei St. Gallen durchführt, klopfen deshalb Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaf t und Politik die Texte auf ihre Aktualität ab – und auch wenn die Vorträge auf der CD-Ausgabe nicht zu hören sind, spürt man unmittelbar, dass sich sämtliche Interpreten bewusster als üblich mit den Dichtungen auseinandergesetzt haben.
Die prägnante und in allen solistischen wie chorischen Stimmlagen klar verständliche Deklamation, die auch in scheinbar schwülstigen Sprachbildern packende theatralische Szenerien und Situationen zum Vorschein bringt, gehört ebenso zu den Vorzügen dieser Einspielung wie die aufmerksame Beachtung der Reimstrukturen: Wunderbar klar lässt sich verfolgen, wie sehr Bach mit der Spannung arbeitet, welche die Erwartung des nächsten Reimworts beim Hörer erzeugt – und sei es nur ein „Schmerz“ der auf „Herz“ folgt. Rhetorische Klarheit und Deutlichkeit sind auch Kardinaltugenden, auf die der Dirigent Rudolf Lutz sein Originalklangensemble verpflichtet hat: Federnd leicht und immer im Dienste des Wortes führt er so auch die längsten instrumentalen Phrasen auf zwingende Weise zu Ende.

Carsten Niemann, 10.01.2015



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