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Johann Hermann Schein u.a.

Ich will schweigen (Geistliche Werke)

Alice Foccroulle, Béatrice Mayo-Felip, Reinoud Van Mechelen, InAlto, Lambert Colson

Ramée/Note 1 RAM1401
(62 Min., 1/2014)

Die Liebe des Rezensenten gehört CDs wie der vorliegenden: Johann Hermann Schein, ein großer Meister der protestantischen Kirchenmusik, der etwa einhundert Jahre vor Bach an denselben Wirkungsstätten wie dieser – Weimar und Leipzig – tätig war, wird auf hochkompetente Weise geehrt. Ein hervorragendes barockes Bläserensemble mit Zinken, Posaunen und Dulzian erinnert klangprächtig an die Leipziger Stadtpfeifer-Tradition: Es erklingen etwa eine große Canzon, eine Paduana und eine Suite aus Scheins Feder, dazu u.a. erstaunlich originelle Kompositionen jenes Stadtpfeifers Gottfried Reiche, der J. S. Bach in Leipzig oft spektakulär als Trompetenvirtuose zu Dienste stand und 1734 einen Tag nach der Aufführung einer weltlichen Kantate Bachs vom Schlag getroffen wurde. Der Bläserklang wird gelegentlich durch allerlei Schlagwerk ergänzt.
Dem Bläser-Programm wird wirkungsvoll eine Reihe vokaler Nummern gegenübergestellt, entnommen den „Opella nova“ Johann Hermann Scheins, jener Sammlung von geistlichen Concerti, die die frühbarocke Blüte der protestantischen Kirchenmusik aufs ausdrucksstärkste repräsentieren. Alice Foccroulle und Béatrice Mayo-Felip liefern gemeinsam mit Reinoud Van Mechelen die nötige vokale Kompetenz: textnahe Gestaltung der verschlungenen vokalen Linien, die hier meistens allein generalbassbegleitet sind. In „Mach dich auf, werde Licht“ treten zu den Sängern dann allerdings obligate Bläserstimmen hinzu – ein Fest barocker Klangzauberei, mischen sich doch die Zinken und die Sängerstimmen auf faszinierende Weise.

Michael Wersin, 07.02.2015



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