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Afrodiziak

KhaliféSchumacherTristano

MPS/Edel 0210097MS1
(53 Min., 6/2013)

Das Bemerkenswerteste an dieser CD ist nicht die Tatsache, dass hier ein junger Pianisten-Grenzgänger der Klassik, ein Jazz-Vibrafonist und ein libanesischer Perkussionist gemeinsame Sache machen, sondern das kleine Logo mit dem stilisierten Tannenbaum rechts oben auf der Hülle: „Afrodiziak“ ist die erste Neuveröffentlichung des von Plattensammlern kultisch verehrten Labels MPS seit über 30 Jahren. 1983 stellte die „Musikproduktion Schwarzwald“ ihren Betrieb ein, jetzt holt die Firma Edel das Label aus seinem Dornröschenschlaf.
Und es ist durchaus konsequent, dass bei dem Neustart ein experimentierfreudiger Pianist mitmischt. Der Luxemburger Francesco Tristano ist bekannt für seine Brückenschläge zwischen Bach und Techno; mit ihm wird jetzt der MPS-Traditionsfaden weitergesponnen, der einst mit Oscar Peterson, Eugen Cicero, George Duke oder Friedrich Gulda aufgerollt wurde.
Neben Abstechern in die Avantgarde war MPS besonders für seine schwer swingenden Produktionen bekannt. Tristano, sein Landsmann Pascal Schumacher und der Perkussionist Bachar Khalifé befassen sich auf „Afrodiziak“ nun mit den Grooves der jüngeren Vergangenheit. Als Kammer-House kann man ihre Musik bezeichnen. Die drei Musiker agieren ähnlich wie ein DJ, der sich aus geloopten rhythmischen und melodischen Elementen einen Track bastelt, mal Spuren ausschaltet, mal die Patterns mit Filtern und Effekten klanglich modifiziert.
Khalifé, Schumacher und Tristano werfen noch zusätzlich eine Prise John Cage, ein bisschen Gary Burton plus Chick Corea sowie einen Hauch von orientalisch angewürztem Krautrock in den Mix. Das haut einen zwar alles nicht um, ist aber ein durchaus hoffnungsvoller Beginn für das Projekt MPS 2.0. Hier wird erst gar nicht versucht, etwas Altes zu wiederholen, sondern programmatisch ein neuer Weg beschritten.

Josef Engels, 07.02.2015



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