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Johannes Brahms

Violinkonzert, Sinfonie Nr. 4 e-Moll

David Grimal, Les Dissonances

Dissonances Records/harmonia mundi LD004
(57 Min., 10/2012 & 2/2013) CD + DVD

Man kann das Violinkonzert von Johannes Brahms durchaus in einer der Aufnahmen Henryk Szeryngs als überbordend expressives, hochromantisches Seelendrama genießen. Oder man kann sich einer der hervorragenden neueren Einspielungen (Christina Tetzlaff, Isabelle Faust) zuwenden, in denen mit weniger pastosem Geigenton, aber nicht geringerem interpretatorischem Engagement ein vielleicht gerade für jüngere Hörerschaft zeitgemäßeres Klangbild erzeugt wird.
Und neuerdings kann man dasselbe Werk auch in einer „historisch informierten“ Darbietung vom Tonträger abrufen – und das ist mehr als nur eine Alternative: Tatsächlich sollte ein Hörer, dem Brahms‘ Violinkonzert am Herzen liegt, die vorliegende Einspielung von David Grimal und dem Orchester „Les Dissonances“ kennen. Das erste Aha-Erlebnis bringt schon die Orchesterexposition des ersten Satzes: Nicht wenige Aufnahmen gibt es, bei denen man im „Krach“, den manche Orchester hier zu erzeugen pflegen, sehnlichst auf den Einsatz der Solovioline wartet. Die Musiker von „Les Dissonances“ hingegen machen diese Passage zu einem Klangerlebnis, von dem man keine Sekunde verpassen möchte: Keine Fortissimo-Schockeffekte schrecken das Ohr, sondern eine differenziert ausgehörte Partitur entfaltet ihre vielfältigen Reize.
Das Orchester mit seinem angenehm dunklen Timbre ist mit gleicher Differenziertheit im weiteren Verlauf auch ein echter Partner des Geigers: David Grimal, der als Solist das Orchester auch leitet, kann sich vor solchem Hintergrund optimal entfalten. Er demonstriert überzeugend, dass man auch mit sehr sparsam eingesetztem Vibrato eine betörende Süße erzeugen kann – und dass man leidenschaftlich-dramatisch agieren kann, ohne das Holz des Bogens oder das Krachen und Kratzen allzu harsch und druckvoll angespielter Saiten zum Einsatz zu bringen. Ein runderes, geschlosseneres Bild als in vielen anderen Aufnahmen ergibt sich auf diese Weise von dem oft gehörten Werk. Sinnvoll ergänzt wird das Violinkonzert durch die Sinfonie Nr. 4 e-Moll (geleitet von Grimal am Konzertmeisterpult!), deren Interpretation alternativ auch als DVD beiliegt. Was merkwürdigerweise vollkommen fehlt, ist ein Beiheft. Aber was soll’s – so spricht die Musik ganz für sich.

Michael Wersin, 28.03.2015



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