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Johann Sebastian Bach

Suiten für Violoncello solo

Arnau Tomàs

Aglae/harmonia mundi AMC 106
(133 Min., 7/2014) 2 CDs

„Beste Mittel, einen Lernbegierigen seines Instruments völlig mächtig zu machen“, mehr waren sie nicht für Bachs ersten Biografen Nikolaus Forkel: die sechs Soli für Violoncello. Heute nennen wir sie „Suiten“ und haben sie längst nobilitiert als Konzertmusik, die man seit den Tagen des Cello-Pioniers Pablo Casals ganz selbstverständlich auch vor Publikum spielt – wenn man’s denn kann. Nach wie vor bereitet vor allem die letzte Suite in D-Dur den Interpreten Kopfzerbrechen: Ist schon bei den anderen nicht genau bekannt, wann, warum und für wen Bach diese Stücke schrieb, stellt sich bei der Suite BWV 1012 zudem die Frage, auf welchem Instrument man sie spielen solle – verlangt sie doch eine Saite mehr, als ein Cello zu bieten hat.
Daraus resultiert nun auch für den Spanier Arnau Tomàs Schwerstarbeit. Tomàs, Mitglied des Trio Ludwig und des Cuarteto Casals, erledigt sie allerdings mit einem Lächeln: Noch etwas schwerfällig geht er die ersten Takte des Präludiums an, gewinnt dann aber zusehends an Fahrt und fliegt am Ende durch die höchsten Lagen, dort wo die fehlende E-Saite wäre, als sei’s ein Leichtes. Überhaupt zeichnet seinen Bach eine schöne, federnde Leichtigkeit aus, die einhergeht mit einem zarten Cantabile. In alter Manier moduliert Tomàs mehr mit dem Bogen als mit der Griffhand. Das Vibrato, beim alten Casals noch ein Dauereffekt, ist nur eine Verzierung. Leider schweigt sich das kluge Booklet aus über die genaue Bauart von Tomàs’ Instrumentarium. Es erlaubt ihm jedenfalls eine attraktive Mischung aus historischer Artikulation und moderner Virtuosität. Irritierend an dieser Aufnahme ist allenfalls die Akustik. Im halligen Kirchenschiff verwischen die feinen Konturen dieser Musik.

Raoul Mörchen, 11.04.2015



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