Jetzt gibt es ihn also offiziell, den "Don Giovanni", mit dem die Bayerische Staatsoper am 12. Juli 1973 die Münchner Opernfestspiele eröffnete. Beim Lesen der Besetzungsliste läuft einem das Wasser in den Gehörgängen zusammen, weshalb es kein Wunder ist, dass Myto bereits vor zehn Jahren einen semilegalen Mitschnitt auf den Markt brachte. Orfeo konnte nun auf die Originalbänder des Bayerischen Rundfunks zurückgreifen, und so ist diese Veröffentlichung nicht nur sorgfältiger ediert, sondern klingt vor allem auch besser.
Das Ensemble ist sowohl qualitativ als auch altersmäßig enorm homogen – mit einer Ausnahme waren alle Sänger damals zwischen Anfang und Mitte 30. Besagte Ausnahme bildet Hermann Winkler, der kurz vor seinem 50. Geburtstag stand und sicher nicht der Idealvorstellung eines Ottavio entspricht, doch eine sehr solide Leistung abliefert. In der Titelrolle stand mit Ruggero Raimondi DER Giovanni der 70er Jahre auf der Bühne, flankiert von drei Sopranistinnen der Extraklasse, die von Persönlichkeit und Timbre her höchst reizvolle Kontraste bieten. Julia Varadys lodernde Elvira ist trotz ihrer üblichen nachlässigen Textbehandlung ein Naturereignis, Margaret Price steht ihr vokal (nicht nur) mit einem spektakulären "Non mi dir" in nichts nach, und eine schmelzendere Zerlina als Lucia Popp lässt sich ohnehin nicht denken. Stafford Deans stimmlich wie darstellerisch sehr präsenter Leporello und Kurt Molls eindrucksvoller Commendatore machen das Melomanenglück perfekt, zumal Wolfgang Sawallisch wusste, wie man einen lebendigen, spannungsvollen Mozart dirigiert.

Michael Blümke, 18.04.2015



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