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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Johannes Brahms

Sonaten für Klarinette und Klavier f-Moll und Es-Dur op. 120, Sechs Klavierstücke op. 118

Lorenzo Coppola, Andreas Staier

harmonia mundi HMC 902187
(62 Min., 10/2013)

So langsam wird man sich wohl daran gewöhnen müssen, dass die historisch informierte Aufführungspraxis das gesamte 19. Jahrhundert für sich beansprucht. Und das ist auch gar nicht schlimm, wie die Aufnahme der späten Klarinettensonaten von Brahms durch Lorenzo Coppola und Andreas Staier zeigt.
Staier greift dabei auf einen Steinway-Flügel aus dem Jahre 1875 zurück, während Coppola auf einem Nachbau der Klarinette von Richard Mühlfeld spielt – jenes Klarinettisten, für den Brahms die Stücke ursprünglich schrieb. Zeigt Mühlfelds Instrument, das in Zusammenarbeit mit dem Virtuosen Carl Bärmann und dem Instrumentenbauer Georg Ottensteiner entstand, trotz seines innovativen Klappenmechanismus auch retrospektive Züge wie etwa die Bevorzugung der Klangfarbe vor der Klangstärke, gleicht der Steinway in der Bauart im wesentlichen bereits den modernen Konzertflügeln. Dennoch wirkt auch dieses Instrument mit seinem obertonreichen, im Diskant leicht gläsern wirkenden Klang farbiger, orchestraler und weniger objektiv als seine Nachfahren.
In jedem Fall harmonieren die beiden Instrumente bestens miteinander und lassen dabei auch den Interpretationsansatz von Coppola und Staier höchst plausibel erscheinen. Der modernen Tendenz zu objektivierenden, im Andante auch gerne lyrisch entrückten Interpretationen mit großen Legatobögen setzen sie ein differenziertes, gestisches und oft fast erzählerisches Spiel entgegen, das in den feinen Rubati, mit denen die Klarinette das Spannungsverhältnis zur Begleitung erhöht, auch die Praxis des frühen Belcanto zu spiegeln scheint. Vollends zum unverzichtbaren Vergleichsobjekt wird die Aufnahme durch die ebenso akribisch wie poetisch umgesetzte Befolgung der Vortragsangaben, bei der ein „grazioso“ anmutig tänzerisch bewegt und ein „dolce“ nicht nur zart und leise, sondern tatsächlich süß klingen darf.

Carsten Niemann, 23.05.2015



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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