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Sylva

Snarky Puppy, Metropole Orkest

Impulse/Universal 602547222558
(55 Min., 4/2014) CD + DVD

Wer hätte das gedacht? Youtube kann nicht nur Pop-Sternchen oder pubertäre Schminktipp-Lieferanten zu Klickstars machen, sondern auch Jazzrock-Gruppen. Die Live-Videos des New Yorker Musiker-Zusammenschlusses „Snarky Puppy“ haben regelmäßig mehrere Millionen Views. Das und der Grammy-Gewinn 2014 für eine atemberaubende Clip-Koproduktion mit der Sängerin Lalah Hathaway haben dazu geführt, dass „Snarky Puppy“ nun nicht mehr länger ein Fall für den digitalen Underground ist: Die CD „Sylva“ markiert den Einstand des Instrumentalisten-Pools bei einem Major-Label.
Entsprechend groß ist der personelle Aufwand, den die Band um den Bassisten Michael League für ihr Debüt im Medien-Mainstream betreibt. Die 12-köpfige Fusion-Big-Band trifft auf das 52 Mann und Frau starke Metropole Orkest, das schon seit langem einen glänzenden Ruf für die Kollaboration mit amerikanischen Jazz-Größen genießt.
Suitenartig ist der Beginn von „Sylva“: Auf das zwischen Ravel und Western-Soundtrack im 3/4-Takt trabende „Sintra“ folgt mit „Flight“ eine Exkursion in die 70er mit dunklem Moog-Bass und wah-wah-verzerrtem Sax-Solo. Nahtlos schließt sich „Atchafalaya“ an, eine Mischung aus New-Orleans-Begräbnis-Grooves und James-Brown-Funk. „The Curtain“ und „The Clearing“, beide eine Viertelstunde lang, geben den klassischen Kollegen dann die Gelegenheit, mit atmosphärisch dichten Introduktionen und Zwischenspielen ein Gegengewicht zu den ausgebufften Improvisationen der Jazzer zu setzen.
CD und die beigelegte Konzert-DVD machen deutlich: Das bissige Welpen zeigt auch an der Leine eines Sinfonieorchesters seine spitzen Milchzähne – und beweist, dass „Snarky Puppy“ die derzeit großartigste Band für die Jazznachwuchs-Bildung inner- und außerhalb des Internets ist.

Josef Engels, 23.05.2015



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