Bei manchen nicht so prominenten Instrumenten sorgten stets außergewöhnliche Interpretenpersönlichkeiten dafür, dass sich das Repertoire um einige neue Konzerte oder Kammermusikwerke erweiterte. Für das Horn lieferte Joseph Leutgeb gleich einigen Komponisten die entsprechende Inspiration, nicht nur Mozart, dessen Hornkonzerte bekanntermaßen ihm zu verdanken sind, sondern auch den Gebrüdern Haydn. Eben diese Trias hat Felix Klieser auf das Programm seiner neuen CD gesetzt, ganz so wie seinem berühmten Kollegen im 18. Jahrhundert gelingt es heute auch dem 24-jährigen Göttinger, ein größeres Publikum für sein Instrument zu begeistern.
Und das ist kein Wunder, verfügt Klieser doch über einen warmen, ja, güldenen Ton, ist deutlich mehr Sänger als Schmetterer, was er auch durch seine exzellenten Legato-Fähigkeiten unterstreicht. Gerade die Mittelsätze der beiden Haydn-Konzerte profitieren ganz erheblich davon, sie gestaltet er zu lyrischen Gesangsszenen. Er überzeugt als hoher wie tiefer Hornist gleichermaßen und beschämt seine Kollegen, indem er vorführt, was aus diesem Instrument auch ohne Stopfen an Klangfarben herauszuholen ist. Oberflächlich brillanter Klang scheint ihn erfreulicherweise wenig zu interessieren.
Unterstützt wird Klieser vom unaufgeregt agierenden, wie stets zuverlässigen Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian. Die klassische Schönheit des Ergebnisses dürfte Kliesers Intentionen entsprechen. Sicherlich hätte ein anderes (womöglich "Originalklang"-)Orchester sich als zusätzlicher Impulsgeber erweisen können, doch überzeugen diese Interpretationen auf ganzer Linie, sind in sich rund und stimmig – und allein darauf kommt es an.

Michael Blümke, 20.06.2015



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