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Jeff Denson Trio & Lee Konitz

Jeff Denson Trio, Lee Konitz

Ridgeway Records/in-akustik RRCD001
(55 Min., 2/2015)

So kurios wie die Titelei dieses Albums ist auch sein Inhalt. Es ist einerseits eine Lee-Konitz-Platte und dann auch wieder nicht. Zwar lässt Bassist Jeff Denson an das Minsarah Trio denken, in dem er ja mitwirkt und das zusammen mit Konitz, der Cool-Jazz-Legende am Altsaxofon, als Lee Konitz New Quartet firmiert. Als solches hat es ja auf herrlich strukturoffene, interaktive Weise die hohe Kunst der melodischen Ausgewogenheit von Konitz‘ Instrumentalmusik als Gesamtensemble verwirklicht. Hier jedoch lässt der knapp 40-jährige Denson keinen Zweifel daran, dass das seine Band ist: Hochvirtuos macht er seinen Kontrabass, ob pizzicato oder con arco, mit kraftvollem Ton und rhythmischer Bestimmtheit zum Ankerpunkt eines Trios, in dem Dan Zemelman selbstbewusst und traditionsversiert Klavier spielt, der Schlagzeuger Jon Arkin allerdings etwas unentschieden zwischen Puls markierender Öffnung des Beats und seiner deftigen Artikulation zögert. Der 87-jährige Lee Konitz ist in diesem Kontext der erste Stargast in einer geplanten Reihe. Der Anspruch dabei ist, in besonderer Weise auf den Gast einzugehen und neue Facetten zutage zu fördern. Hier geht es darum, mit dem Programm den Schwerpunkt auf Lee Konitz‘ stilprägende Schaffensepoche zu legen, als er mit seinem Mentor Lennie Tristano die genialisch aberwitzige und schroffe Melodik eines Charlie Parker in eine nicht minder komplexe, aber elegant verfeinerte Balance überführte. Lennie Tristano hielt seine Jünger an, die Bebop-Sololinien singend auswendig zu lernen. Jetzt ermuntert Konitz Denson zu singen und stimmt des Öfteren in ein Duett mit ihm ein. Schade nur, dass beide keine ausgesprochenen Singstimmen haben und besonders der Altsaxofonist – vorsichtig formuliert – eine etwas eigenwillige Intonation pflegt. Die amateurhaften Vokalisen konterkarieren die durchaus zeitweilig ausgezeichneten solistischen Ansätze von Kontrabass und Klavier ebenso wie die trotz gelegentlichen Schwächelns immer noch abstrakt schönen Altsaxofonlinien. Wie gesagt: ein kurioses Album.

Thomas Fitterling, 11.07.2015



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