home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Responsive image
César Franck, Antonín Dvořák

Sinfonie d-Moll, Sinfonie Nr. 9

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Willem Mengelberg

Teldec Legacy/Warner Classics 6 85738 30252 9
(74 Min., 12/1940, 4/1941) 1 CD

Nach Anhören dieser CD wird klar, warum so durch und durch verschiedene Komponistenpersönlichkeiten wie Gustav Mahler und Richard Strauss den Dirigenten Willem Mengelberg schätzten und warum das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester schon in früheren Zeiten zu den ersten Klangkörpern Europas gehörte.
Der ebenso legendäre wie umstrittene Mengelberg leitete als fast Siebzigjähriger eine energiegeladene, temperamentvolle und gleichzeitig formal schlüssige Interpretation von Francks d-Moll-Sinfonie, wie man sie in unseren Tagen selten findet. Das dreisätzige Werk, das unter weniger souveränen Händen leicht wie ein belgisches Brauereipferd wirken kann, entwickelt in Mengelbergs Interpretation beinahe jugendliche Qualitäten, ohne dass dadurch Francks spezifische, stets etwas schwerblütige Tonsprache verfälscht würde. Durch eine für die Zeit geradezu phänomenal durchsichtige und dynamische Aufnahmequalität lässt sich zudem verfolgen, welch reiche Detailarbeit Mengelberg dem Eigenleben des Klangs angedeihen ließ. Der Dirigent galt als Probenfanatiker, und diese Aufnahme liefert, nicht zuletzt in den wunderschön ausformulierten Bläsersoli, den Beweis für Mengelbergs produktive Orchesterarbeit.
Forsch und zupackend, mit Sinn für Dramatik präsentiert sich auch die von Mengelberg wenige Tage nach seinem siebzigsten Geburtstag eingespielte Interpretation von Dvoráks Neunter Sinfonie, wenn auch das Ergebnis nicht ganz so idiomatisch wirkt wie der Franck. Die zahlreichen Portamenti im langsamen Satz klingen heutzutage doch recht gewöhnungsbedürftig – um nicht zu sagen: kitschig –, und die Rubati im Scherzo zeugen eher von Mengelbergs Eigenwilligkeit als von einem tieferen Verständnis für das Werk.
Dennoch ist auch diese Aufnahme ein bedeutendes Dokument eines der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Es ist schon ein kleines Wunder: Für Mengelberg, der 1891 sein erstes Engagement als Dirigent erhielt, zählten beide Werke zur zeitgenössischen Musik, und auf dieser CD hören wir seine Interpretationen in mehr als anständiger Klangqualität – wenn das kein Zeitsprung ist!

Thomas Schulz, 17.05.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top