Responsive image
Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti

Dolci momenti (Belcanto Arias)

Lena Belkina, Münchner Rundfunkorchester, Alessandro De Marchi

Sony 88875051432
(62 Min., 10/2014)

Was für eine erfrischend emotionale Sängerin! Nach all den nur auf die ebenmäßige Linie getrimmten Langweiler-Kolleginnen präsentiert sich mit Lena Belkina endlich wieder einmal eine Vollblutsängerin. Mit ihren 28 Jahren steht sie zwar noch am Beginn ihrer Laufbahn, aber dass die Mezzosopranistin mit ihrer biegsamen, lodernden Stimme Karriere machen wird, lässt sich jetzt schon unzweifelhaft vorhersagen. Die "Cenerentola"-Verfilmung von Carlo Verdone mit ihr in der Titelpartie gab 2012 den Startschuss, trug sie von Leipzig aus – wo sie studiert und sich an der Oper erste Ensemblesporen verdient hatte – nach ganz Europa.
Nun also das Debüt-Album bei Sony. Der Titel ist zwar albern, denn "süß" sind die wenigsten darauf versammelten Momente, der Inhalt aber ist klasse, denn diese quicklebendige Sängerin mit ihrer sinnlichen Mittellage (und der zugegebenermaßen noch ausbaufähigen Tiefe) ist zu keinem Moment langweilig. Das zeigt sich exemplarisch bei Desdemonas Romanze, die oft allzu getragen und mitunter auch betulich daherkommt, bei Lena Belkina aber so gar nicht brav und ergeben klingt – da merkt man, dass Otellos Frau definitiv kein Schäfchen ist. Selbst das Gebet ist voller Leidenschaft, so wie auch die übrigen Arien (und ganz besonders die aus "Adelson e Salvini" und "La donna del lago") von echter Hingabe erfüllt sind.
Die Hälfte des Programms – und auch ein großer Teil ihres derzeitigen Repertoires – stammt zwar von Rossini, doch dürfte ihm die Ukrainerin über kurz oder lang untreu werden, ihr Temperament wird sie wohl zu Großkalibrigem führen. Hoffen wir nur, dass sie dieser Versuchung nicht so bald nachgibt, denn es ist klar herauszuhören, dass die Stimme noch nicht dauerhaft dramatisch belastbar ist, da besteht die Gefahr der nachhaltigen Schädigung ihres fantastischen Materials – von dem wir gerne mehr hören möchten.

Michael Blümke, 18.07.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top