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Robert Schumann, Franz Liszt, Robert Franz

Im schönen Strome (Heine-Lieder)

Christian Immler, Georges Starobinski

BIS/Klassik Center BISSACD-2143
(67 Min., 9/2014) SACD

Zwischen zwei Bekannten verbirgt sich ein Vergessener: Dass Robert Schumann und Franz Liszt, jeder auf seine besondere Weise, großartige Lied-Komponisten waren, muss nicht erklärt werden. Aber Robert Franz (1815-1892), einst mindestens ebenso berühmt wie seine beiden Zeitgenossen, begegnet heutigen Hörern nicht mehr allzu oft.
Franz‘ Heine-Lieder, die Christian Immler für dieses Programm ausgesucht hat, regen den kundigen Hörer zum Vergleich an: Einige davon hat auch Schumann in seinem Zyklus „Dichterliebe“ vertont. Die imaginäre Gegenüberstellung bringt sowohl Parallelen wie auch Unterschiede zum Vorschein, die letztlich Rückschlüsse zulassen über das jeweilige Heine-Verständnis der Komponisten – eine spannende Angelegenheit, die sich prinzipiell anhand der kleinen Liszt-Liedergruppe fortsetzen lässt, denn auch hier gibt es Überschneidungen.
Aber das interessanteste Programm wäre nichts ohne ein vermittlungsbegabtes Interpretenduo. Und hier erweisen sich Christian Immler und Georges Starobinski als Glücksfall nicht nur im künstlerischen Miteinander, sondern auch jeder für sich. Immler vermag mit seiner kräftigen, biegsamen, leicht ansprechenden Baritonstimme wundervoll flexibel zu agieren; sein Gesang schmiegt sich förmlich in die Kantilenen der Lieder, zudem ist seine Diktion höchst umsichtig und differenziert. Wer so mit Melos und Sprache umzugehen versteht, der muss einfach Lieder singen. Und so wie Immlers Stimme eine enge Verbindung mit den Melodien dieser Lieder eingeht, so neigt sich auch Georges Starobinskis Klavierspiel in vollkommener Hingabe dem Gesang zu, ohne dabei allerdings allzu zurückhaltend auszufallen: Mit kräftigem Ton bietet der Pianist dem Sänger ein Höchstmaß an Unterstützung und klanglichem Gegenüber und behauptet sich dabei gleichzeitig mit der wünschenswerten Unabhängigkeit als eigenständiger Gestalter. Ein tolles Duo.

Michael Wersin, 29.08.2015



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