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In The Morning

Stefano Battaglia Trio

ECM/Universal 4738673
(70 Min., 4/2014)

Was den älteren das Great American Songbook und den jüngeren Popsongs geben, holte sich der italienische Pianist Stefano Battaglia beim amerikanischen Komponisten Alec Wilder: ein Bündel Themen, über das sich vortrefflich improvisieren lässt. Auch hier ist er eigen: Er zählt weder zu der swingenden Traditionslinie noch zu jenen jüngeren Trios, die sich von Rock-, Ethno-, HipHop- oder Folkrhythmen beeinflussen lassen. Stattdessen knüpfen die drei an die eigene, überwiegend von Europäern entwickelte Traditionslinie eines fließenden, kammermusikalischen Jazz an, in dem sich Elemente der europäischen Impressionisten, des Minimalismus, der Romantik und des amerikanischen Jazz vereinigen. Sie verdichten und entspannen das Geschehen, und gelegentlich weichen sie die Songstrukturen auf. Sie umspielen die Themen, schieben sie in den Hintergrund, holen sie wieder nach vorn: ein beständiges Hin und Her, das Behaglichkeit und Hochspannung verbindet. Sieben Titel aus dem reichen Œuvre Wilders hatte das Trio für sein Konzert beim Turiner Jazz Festival am 28. April 2014 ausgewählt, und wenn man den sehr detailreichen Aufnahmen glauben darf, schwieg das Publikum gebannt. Sanft schwingen und schweben die Melodien, meist am Flügel vorgegeben und vom Kontrabassisten Salvatore Maiore und dem Schlagzeuger Roberto Dani mit eigenen Melodien und sensibler Percussion kommentiert. Ein feines Gewebe entsteht so – und dies mit Themen, die einem letztendlich so fremd sind, als hätte das Trio sie selbst komponiert. Aber es war Alec Wilder, und der hatte mit dem Jazz wenig am Hut. Wohl aber komponierte er Popsongs für Frank Sinatra, Peggy Lee und andere, Opern, klassische Kammermusiken und Soundtracks zu Filmen – also Stücke, die eher in der Nachfolge der Musicals stehen, die heute das American Songbook nähren. Diese Werke sind nun zu feinsinnigem, sensiblem Euro-Jazz geworden. Wunderbar.

Werner Stiefele, 29.08.2015



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