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New Day

Kevin Hays

Sunnyside/harmonia mundi SSC 1419
(62 Min., 8/2014)

Es gibt so viele Vorurteile. Zum Beispiel jenes, die E-Pianos von Fender Rhodes und Wurlitzer zählten zum Elektronik-Schrott und wären längst durch Samples ihrer Sounds ersetzbar. Aber hier verhält es sich ähnlich wie bei den synthetischen Geigensounds in vielen Pop-Produktionen: Die erinnern zwar an den Klang der hölzernen Instrumente, sind aber nicht in der Lage, ihn vollwertig zu ersetzen. Kevin Hays spielt – neben dem Piano – die alten Instrumente so soundbewusst wie wenige. Er reizt deren Klangmöglichkeiten geschmackvoll aus und überspitzt dabei deren Sounds weder – wie in den 1960ern oft üblich – gezielt als elektronisch erzeugte neue Klänge noch schiebt er sie – wie in den 2000ern gebräuchlich – als historisierende Klangfarbe und Illustrationsmittel in den Hintergrund. Selbstbewusst und prägend stehen sie im Vordergrund, gleichgültig, ob sich Hays eher auf eingängige, fast volksmusikalische Motive oder komplexere Jazzthemen einlässt. Zwischendurch setzt er sich auch – zu Ehren des Schlagzeugers Kenny Wollesen – an ein Honky-Tonk-Kneipenpiano. Während hier die übrigen Bandmitglieder im Hintergrund Kneipengespräche imitieren, singt Hays im Titelstück sowie vier weiteren Titeln. Das Gros der Stücke auf „New Day“ lässt Country-Bezüge spüren; zwischendurch verwendet er aber auch Rock- und Latin-Rhythmen. Für zusätzliche Klangfarben sorgt, dass er seine Kernbesetzung mit Rob Jost am Kontra- und Elektrobass und Greg Joseph am Schlagzeug in einigen Titeln um den Mundharmonikaspieler Gregoire Maret und den Gitarristen Tony Scherr erweitert.

Werner Stiefele, 19.09.2015



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