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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Robert Schumann

Davidsbündlertänze, Nachtstücke, Gesänge der Frühe

Caspar Frantz

Ars/Note 1 ARS38180
(71 Min., 2/2015) SACD

Vielleicht ist Robert Schumann unter den anerkanntermaßen großen Komponisten derjenige, dessen vollumfängliches Werk am längsten dem breiteren Publikum verborgen blieb. Nicht nur, dass sein Violinkonzert 80 Jahre lang nicht uraufgeführt wurde – auch im Blick auf die Klaviermusik ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass da außer den „Kinderszenen“, dem „Album für die Jugend“ und der C-Dur-Fantasie noch eine Menge weiterer, übrigens höllisch schwerer Stücke und Zyklen existieren. Und ganz zu schweigen von den Liedern: Lange Zeit orientierten sich sogar „Gesamtaufnahmen“ nur an der für heutige Begriffe recht willkürlichen Auswahl in den drei Peters-Bänden.
Nun also die frühen „Davidsbündlertänze“ und die späten „Gesänge der Frühe“ – geben sie Antwort darauf, warum wir so wenig Schumann kennen? Es sind komplexe, ein wenig verrückte Stücke, die, besonders im Fall der „Davidsbündlertänze“, ein „außermusikalisches“ Konzept einbeziehen, das eine Art Vorausschau auf Schumanns späteren Wahnsinn zu sein scheint – wer, so möchte man fragen, bildet sich schon einen Bund lebender und toter intellektueller Persönlichkeiten ein, in dessen Mittelpunkt er steht, dazu noch nicht als eine, sondern als viele verschiedene Figuren, deren Aufspaltung in „Florestan“ und „Eusebius“ nur eine von vielen verwirrenden Kategorien widerzuspiegeln scheint?
Musik eines Schizophrenen also? Keineswegs – „nur“ Musik eines Romantikers. Und Caspar Frantz lüftet durch sein besonderes Engagement einen der Schleier von diesem Werk: Er spielt auf einem Ibach-Flügel von 1913, der im Klang matter und trockener ist als ein modernes Instrument. Er geht zudem sparsam mit dem Pedal um – und schon lichten sich die Nebel in dieser Musik, Nebel, auf die wir zunächst gar nicht so gern verzichten wollen. Gehört nicht gerade das Nebulöse genuin zu Schumann? Man kann darüber streiten, so sehr wie man über Schumanns kompliziertes Wesen endlos diskutieren kann. Tatsache ist aber, dass die komplexen polyphonen Strukturen der Musik, die ja als solche (auch beim Lesen der Partitur) schon verwirrend genug sind, durch weniger klanglichen Nebel eben gerade besser hörbar werden. Und dies ist – um nur einen von vielen Aspekten zu nennen – ein Verdienst dieser gegenüber oftmals ebenfalls sehr guten anderen Aufnahmen. Caspar Frantz durchdringt mit dem Lichtstrahl seiner vergleichsweise nüchternen Darbietung den Nebel der Musik und beleuchtet gerade dadurch ihre verwirrende Irrealität auf ganz neue Weise.

Michael Wersin, 03.10.2015



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