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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Black & White Swan

Thoneline Orchestra

Yellowbird/Soulfood ENJA 9736
(63 Min., 12/2014)

Bei den Stücken für die zweite Einspielung ihres 2009 gegründeten Thoneline Orchestra ließ sich die Kölner Saxofonistin und Komponistin Caroline Thon von Darren Aronofskys surrealem Ballettfilmdrama „Black Swan“ inspirieren. Ähnlich innerlich zerrissen wie die Hauptdarstellerin Natalie Portman tanzen und taumeln nun auch Thons Big-Band-Arrangements auf der Schwelle zwischen Licht und Düsternis, Lebensfreude und Wahnsinn.
Besonders augenfällig geschieht das im Titelstück, der „Black & White Swan“-Suite: Da gurgelt und röhrt der Heavy-Metal-Sänger Markus Weckermann mit Unterstützung einer schmerzverzerrten Gitarre zunächst gegen die gesamte Big Band an, um unversehens von einer verstörenden Stille verschluckt zu werden. Über einem herumeiernden Bass und einem stolpernden Schlagzeug spielt Keyboarder Nils Tegen hernach ein Solo, das so klingt wie jemand, der aus den Ruinen eines zusammengestürzten Hauses klettert und sich verdutzt den Staub von den Schultern klopft. Dazu summen die Bläser dann irgendwann wie ein freundlicher Bienenschwarm. Es ist alles sehr verwirrend.
Dieses Kompositionsprinzip der überraschenden Aneinanderreihungen von Stimmungen, Taktwechseln und sich verändernden Instrumentierungen bestimmt die gesamte Aufnahme. Dabei muss es gar nicht immer so bedrohlich und rau zugehen wie im Titelstück. Auf dem Album finden sich auch zarte Balladen, die von der bergseeklaren Stimme der Sängerin Filippa Gojo getragen werden („Seesucht“, „Song For Robin Hood“), eine papierraschelnde Verbeugung vor dem amerikanischen Klassikkomponisten Charles Ives („Is It You?“) oder höchst eigenartige Volksfestmusik, bei der die Band rhythmisch in die Hände klatscht, trunken herumgrölt und dennoch ganz akribisch und leichtfüßig Caroline Thons Vorgaben folgt („Kolysanka“). Was für eine wunderbar schizophrene Big Band!

Josef Engels, 17.10.2015



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