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Wolfgang Amadeus Mozart

Die Zauberflöte

Dietrich Fischer-Dieskau, Maria Stader, Josef Greindl u.a., RIAS Symphonieorchester Berlin, Ferenc Fricsay

Deutsche Grammophon 459 498-2
(142 Min., 6/1954) 2 CDs

Manchmal möchte man zwei verschiedene Aufnahmen einfach miteinander kombinieren können, um ein interpretatorisches Optimum zu erhalten; so geht es mir mit zwei "Zauberflöten"-Einspielungen, die im Abstand von zehn Jahren produziert wurden: diese Version Ferenc Fricsays von 1954 und die von Karl Böhm aus dem Jahre 1964.
Als Dirigenten würde ich eindeutig Ferenc Fricsay wählen, denn dieser früh verblichene Visionär künftiger Orchesterkultur begeistert mit seinem schlanken, gebündelten Klang und seinem untrüglichen Blick für das Wesentliche: In der Adagio-Einleitung zur Ouvertüre beispielsweise zelebriert er den bedeutungsvollen Weg von Es-Dur nach B-Dur in unnachahmlicher Weise. Im weiteren Verlauf überrascht er immer wieder durch rasche, erfrischende Tempi, die maßgeblich zur Stringenz des Bühnengeschehens beitragen. Bremsend wirken hingegen die nach damaligem Brauch in Hörspiel-Manier von Schauspielern gesprochenen Dialoge: Hier ist Böhms Lösung, die Sänger selbst zu Wort kommen zu lassen, zu bevorzugen.
Dietrich Fischer-Dieskau ist der Papageno beider Aufnahmen: Immer ein wenig professoral, gelingt ihm dennoch zweimal ein lebhaftes, reizendes Porträt des Vogelmenschen, wenn er auch mit seiner versuchten Imitation des Wiener Tonfalls recht allein ist. Aus der Böhm-Aufnahme würde ich Fritz Wunderlich importieren, denn er bleibt als Tamino unerreicht: Edle Größe und wahrhaftige Sehnsucht nach der im Bild erschauten Weiblichkeit bestimmen seine stimmlich vollkommen souveräne Darstellung.
Auch Böhms Evelyn Lear überzeugt als Pamina mehr als Maria Stader: Zwar ist Fricsays Wunsch nach einer leichten, mädchenhaften Stimme verständlich, aber Lear verfügt über die leidenschaftlichere, wärmere Stimme. Allerdings kämpft sie genau wie Maria Stader technisch mit der schwierigen g-Moll-Arie; in beiden Fällen bleiben Wünsche offen.
Noch einen Gast aus der Zukunft hätte ich mir in das Ensemble von 1954 gewünscht: Der warm timbrierte, intensive Franz Crass ist in der Rolle des Sarastro schier unübertrefflich, er intoniert viel sauberer und verfügt über mehr Höhe als Josef Greindl. Was tun? Beide Aufnahmen sind mittlerweile Klassiker, besitzen sollte man die eine wie die andere; die Vereinigung des historisch Unüberbrückbaren muss leider in der Fantasie stattfinden.

, 16.08.2001



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