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Morton Feldman, John Cage, Erik Satie

Rothko Chapel, In A Landscape, Gnossiennes u.a.

Kim Kashkashian, Sarah Rothenberg, Steven Schick, Houston Chamber Choir, Robert Simpson

ECM/Universal 002894811796
(70 Min., 5/2012, 2/2013)

Als sich Morton Feldman und John Cage zufällig nach einer New Yorker Aufführung von Anton Weberns Sinfonie op. 21 begegnet waren, hatten sich nicht nur zwei musikalische Seelenverwandte gefunden. Feldman sollte zudem in Cages Haus Bekanntschaft mit amerikanischen Malern wie Robert Rauschenberg, Philip Guston und Jasper Johns machen, die sein musikalisches Schaffen beeinflussten. Aber auch Mark Rothko mit seinen riesigen, abstrakten Farbflächenbildern fand ein gewisses Echo in vielen Werken Feldmans. „Wenn man die Bilder lange genug anschaut, sich in sie vertieft, dann beginnen sie sich aufs Mal zu bewegen, belebt durch eine Art von innerem Herzflimmern.“ Mit diesen Worten hat Feldmans Komponistenkollege Hugues Dufourt einmal die Faszination von Rothko und damit zugleich auch ein wenig Feldmans musikalische Handschrift beschrieben. 1971 komponierte er nun mit „Rothko Chapel“ ein knapp halbstündiges Stück für eine Kapelle in Houston/Texas, in der 14 großformatige Bilder von Rothko für eine strenge und meditative Stimmung sorgen. Mit mal fahlen Klangflächen, rituell wirkenden Percussionsrhythmen, magisch dahinschwebenden Vokallinien und nicht zuletzt einer oftmals flehenden Viola-Stimme hat jetzt ein amerikanisches Solistenensemble mit u.a. Bratschistin Kim Kashkashian dieses in sich versunkene, aber auch nie nur einen Hauch esoterisch wirkende Klanggebet hochkonzentriert ausgebreitet. Wobei gegen Ende tatsächlich ein unbeschwerter Zauber aufblüht, der an Debussys pastoralgleiches Trio für Flöte, Viola und Harfe erinnert.
Gerne hätte man sich gewünscht, dass die „Rothko Chapel“ nach ihrem letzten Ton noch einige Minuten in aller Stille in einem weiter klingen möge. Aber immerhin sind die unmittelbar nachfolgenden, ebenfalls fragilen wie schmucklosen Klavier- und Chorstücke von Erik Satie und John Cage (u.a. Saties „Gnossiennes“ sowie Cages „Five“ und „In A Landscape“) so gewählt, dass sich rasch der Kreis eines so ungemein vertraut anmutenden Klangraumdenkens schließt.

Guido Fischer, 28.11.2015



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