Responsive image
Andrea Gabrieli

Music At San Marco

Ensemble Officium, Wilfried Rombach

Christophorus/Note 1 CHR 77390
(63 Min., 9 & 10/2014, 7/2015)

Zahlreiche kompetente Aufnahmen der Musik von Giovanni Gabrieli hat es in den letzten zwei Jahrzehnten gegeben: Unter dem Stichwort „Venezianische Mehrchörigkeit“ hat die mächtige polychorale Musik des Vorgängers von Claudio Monteverdi an San Marco große Popularität erlangt. Zu kurz gekommen ist dagegen bisher das Werk seines Onkels Andrea Gabrieli (1532/33 - 1585): Auch er war an San Marco tätig, auch er hat mehrchörige Musik komponiert und mit vokal-instrumental gemischten Besetzungen gearbeitet. Als Zeitgenosse – und möglicherweise auch „Konkurrent“ – von Orlando di Lasso war er aber noch stärker als sein Neffe im vokalpolyphonen Repertoire der Renaissance beheimatet. Gerade vor diesem Hintergrund allerdings ist seine Experimentierfreude im Blick auf die kommende „neue“ Musik des Frühbarock ein Faszinosum.
Wilfried Rombach und sein „ensemble officium“ geben mit dieser CD Einblick in das breite Schaffensspektrum Andrea Gabrielis. Um zu demonstrieren, wie sehr die sich anbahnenden musikalischen Revolutionen in jener Zeit sich in den unterschiedlichen Ausführungsmöglichkeiten eines Stückes widerspiegeln, bieten sie zwei der Motetten sogar in je zwei Versionen an: „O sacrum convivium“ erklingt einmal von Bläsern, einmal von Sängern dargeboten, und „Laudate Dominum“ hören wir nicht nur in Bläserfassung, sondern zusätzlich auch mit diminuierter (stark in Verzierungen und Umspielungen aufgelöster) Oberstimme, wobei der Rest des Satzes von der Orgel zusammengefasst wird. Gerade letztere Technik ist eine der Stationen auf dem Weg zur Monodie, die dann kurze Zeit später die Musik des Frühbarock maßgeblich mitprägen sollte.
Daneben kommt auch die volle Pracht des Sänger- und Bläser-Tutti nicht zu kurz: Die zweiteilige Motette „Domine Dominus noster“ etwa ist eines jener Stück, die sich im Kirchenraum zu bewegender Klangfülle entfalten; wer übrigens Lassos Vertonung des Textes kennt, erlebt unmittelbar den prägnanten Unterschied in der Kompositionsweise der beiden Zeitgenossen. Rombach hat für diese CD wieder einmal ein großartiges Ensemble erfahrener Kräfte um sich scharen können. Besonders sei die hohe Qualität der Bläser hervorgehoben: Wer Matthias Sprinz und seine Kollegen engagiert, darf sich nach wie vor auf erstklassigen historischen Sound bei perfekter Intonation freuen.

Michael Wersin, 16.01.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Alterslos: Der junge Violinist Théotime Langlois de Swarte hatte nach seinem Vorspiel für eine Stelle in William Christies berühmten „Les Arts Florissants“ mit Vorurteilen zu kämpfen. Kann ein Violinist, der ebenso brillant Schostakowitsch interpretiert wie barocke Sonaten, der Richtige sein für diese Elitevereinigung von Puristen? Er kann – denn wie Williams im Interview auch zugibt, war er schon beim ersten Spiel gefangen genommen von der spürbaren Leidenschaft de Swartes für die […] mehr »


Top