Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart u.a.

Der wohltätige Derwisch, Der Schauspieldirektor

Cyndia Sieden, Sharon Baker, Deanne Meek, John Aler, Kevin Deas, Alan Ewing, Boston Baroque, Martin Pearlman

Telarc/In-Akustik 80573
(66 Min., 4/2001) 1 CD

Eigentlich dürfte man als Frau dieses 1791 im Wiener Theater auf der Wieden uraufgeführte Singspiel nicht gut finden. Schließlich ist "Der wohltätige Derwisch" ein durch und durch chauvinistisches Stück: Da wird von einem Drachen geträumt und gesungen, der alle Weiber auffrisst, und am Ende sehen sich die beiden Protagonistinnen von den Männern verlacht und durch lange Nasen verunstaltet. Zuvor passiert noch einiges, das intensiv nach der "Zauberflöte" duftet: ein Prinz und sein rustikaler Begleiter müssen sich mit allerlei patriarchalischem Gelump auseinandersetzen, um - was sonst? - ein schönes Weib zu erringen, und eine Zaubertrommel sowie eine Schellenkappe gibt es außerdem.
Zwar kennen wir den Komponisten des Stücks nicht, doch entstammt der ganz offenbar dem Kreis um Emanuel Schikaneder, der denn auch das Libretto des Singspiels verfasste. Ähnliche Verhältnisse also wie bei jenem "Stein der Weisen", den vor wenigen Jahren ebenfalls das Orchester Boston Baroque herausbrachte.
Unter Martin Pearlmans Leitung spielt man hier wiederum sehr engagiert und durchsichtig - was freilich nicht vergessen lässt, dass auf der Einspielung mit Ausnahme der schön, ausdrucksvoll und höhensicher singenden Cyndia Sieden vokal weder alles Gold ist noch überhaupt besonders glänzt. Dass man den Zuhörern die langwierigen gesprochenen Dialoge des Stücks ersparte, lag wohl an deren Länge; beim "Schauspieldirektor" hätte man da allerdings ruhig großzügiger sein können.

Susanne Benda, 18.04.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top