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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Of Monsters and Birds

Monika Roscher Bigband

Enja/Soulfood ENJ 9635
(73 Min., 2015)

Spätestens beim Berliner Jazzfest 2013 wurde der nationalen und internationalen Presse bewusst, was für eine interessante und in vielen Farben schillernde Pflanze da in München heranwächst: Anlässlich des Auftritts von Monika Roschers Bigband auf der großen Bühne des Festspielhauses sprach die FAZ von „der Überraschung der Saison“ und „Die WELT“ notierte: „Wenn Lady Gaga und Frank Zappa je einen One-Night-Stand gehabt hätten, wäre Roscher das Ergebnis gewesen.“
Die von der verkleidungsfreudigen Sängerin, Gitarristin und Komponistin angeleitete Großformation, die sich selbst als „Indie-Bigband“ bezeichnet, macht mit ihrer zweiten Einspielung da weiter, wo sie in Berlin seinerzeit aufhörte: Die CD ist voller fellinesker surrealer Momente, in denen sich knarziger Pop und punkige, gleichwohl genau berechnete Arrangierkunst zu einem dichten Hybrid verbinden. Kurz – bei Roschers Musik hat man das Gefühl, sich in einem gemeinsamen Märchenfilm von Baz Luhrmann, Tim Burton und Miranda July verlaufen zu haben.
Roscher, die als Sängerin mal an Björk, mal an Laurie Anderson gemahnt, lässt ihre Band einfach nicht zur Ruhe kommen. Da müssen die Bläser einen Wald voller Vögel (Spechte, Quietscheentchen, Nestflüchter) imitieren („Entering Birds“) oder die Hochsee emulieren (mit geblasenem Wellenrauschen, Schiffshörnern und einem in Seenot geratenen Sonny Rollins, zu hören in „Carribean Delirium“), da wird die Rhythmusgruppe dazu verdonnert, eigenartige Quintolen-Stakkato-Cluster vom Gesang zu doppeln – und alle Bigband-Mitglieder sind regelmäßig dazu aufgefordert, sich gegenseitig krumme zappaeske Unisonolinien zuzuwerfen.
Das in der Plattenmitte gelegene „Full Moon Theatre“ bringt den Irrsinn auf den Punkt: Dancehall, melodische Orientalismen, ein derb angerockter Walzer, Didgeridoo-Rülpsen, Pfeifen, Fingerschnipsen und ein Ringmodulator-Trompetensolo wechseln sich munter miteinander ab wie in einer durchgeknallten Vaudeville-Show für Mondsüchtige. Was für ein Theater!

Josef Engels, 04.06.2016



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