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Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck, Joseph Martin Kraus, Zurnazen Ibrahim Aga Bey, Han Gazi Giray Bey, Ali Ufki Bey u.a.

Dream Of The Orient

Concerto Köln, Sarband

Deutsche Grammophon/Universal 474 193-2
(66 Min., 9/2002) 1 CD

Der große Traum vom Orient begann mit einem Albtraum: dem der Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1683. Der Kulturaustausch, der sich nach dem traumatischen Ereignis im 18. Jahrhundert entwickelte, war tiefer, als es uns heute bewusst ist: er reichte vom ”Türkentrank” Kaffee bis zum Tschingederassabum unserer Militärkapellen, das dem gefürchteten Getöse der brutalen osmanischen Elitetruppen nachgeahmt ist. Wenn Concerto Köln und das auf Rekonstruktion historischer orientalischer Musik spezialisierte Ensemble Sarband uns in diese Zeit entführen, zeigen sie, dass Austausch und Vereinnahmung dicht beieinander lagen: Den rasselnden Ouvertüren zu den Türkenopern von Mozart, Gluck sowie einer teilweise wunderbar enthemmt barbaristischen ”Sinfonia turchesca” von Franz Xaver Süssmayr stehen feinsinnigere Aneignungen orientalischer Melodik und Rhythmik gegenüber: Am besten vertragen die Tanzsätze aus Joseph Martin Kraus' Türkenoper "Soliman II." das akustische Wechselbad. Besonders faszinierend ist jedoch der Vergleich eines originalen westlichen Arrangements der Weise ”Izia semaisi” von 1787 mit der Darbietung der gleichen Melodie auf traditionellen türkischen Instrumenten: eines der raren Beispiele dafür, dass man im Okzident auch ein Ohr für die subtil ausgesponnene Melodik des Orients hatte. Concerto Köln musiziert gewohnt frisch, packend und präzise und erstaunlich organisch unterstützt von den türkischen Schlaginstrumenten. Sarband kehrt in seinen Solonummern überaus glaubwürdig die introvertierte Seite orientalischer Musik heraus; was einzig fehlt, wäre ein politisch inkorrektes Beispiel für das grässliche Kriegsgeheul der Janitscharen, das die Wiener einst so beeindruckte.

Carsten Niemann, 26.04.2003



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