home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Bis zum Jahre 1934 gab es keine kommerzielle Gesamtaufnahme einer Mozart-Oper; umso erstaunlicher ist es, dass gleich die erste eine so überragende Qualität aufweist. Fritz Busch, einer der ganz großen Mozart-Dirigenten seiner Tage, hatte 1933 das nationalsozialistische Deutschland nach couragierten, aber fruchtlosen Streitereien mit Göring endgültig verlassen (erst 1951 besuchte er sein Heimatland wieder). John Christie engagierte den ruhelos auf der Welt Umherreisenden für sein Festspielhaus in Glyndebourne, wo er im Eröffnungsjahr 1934 und während der folgenden Saisons glanzvolle Opernproduktionen leitete. Sein Figaro, der Bariton Willi Domgraf-Fassabaender, zählte ohne Zweifel zu den bedeutendsten Sängern seiner Tage: Er elektrisiert durch sein unverwechselbares metallisches Timbre und seine lückenlose darstellerische Präsenz. Die Susanna an seiner Seite, John Christies Frau Audrey Mildmay, rangiert nicht ganz auf derselben einsamen Höhe wie Domgraf-Fassbaender, überzeugt aber sowohl stimmlich als auch interpretatorisch mehr als manche ihrer zahlreichen Nachfolgerinnen in den Figaro-Einspielungen der folgenden Jahrzehnte. Dies gilt auch für Aulikki Rautavaara als Gräfin und Roy Henderson als Graf; letzterer wurde übrigens später Gesangslehrer und Förderer von Kathleen Ferrier. Die eigentlich sehr angenehm timbrierte Österreicherin Luise Helletsgruber bewegt sich nicht mit völliger Sicherheit durch die Partie des Cherubino: Hier und da entgleitet ihr die Intonation.
Fritz Busch führt Orchester und Solisten mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die um einige Arien des vierten Aktes und sämtliche Secco-Rezitative gekürzte Partitur: Sein Mozart-Klang ist auf Grund von Schlankheit, Flexibilität und leichtfüßiger Eleganz erstaunlich modern. Hinzu kommt die hervorragende technische Qualität der vom Schallplatten-Pionier Fred Gaisberg verwirklichten Aufnahme. Kurzum: Ein Glücksfall der Aufnahmegeschichte, der bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und zusammen mit dem Glyndebourner Don Giovanni (1936) und der zurzeit nur beim Label Pearl erhältlichen Così-fan-tutte-Produktion gleicher Provenienz unbedingt empfehlenswert ist.

, 31.05.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top