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Super Petite

The Claudia Quintet

Cuneiform Records/Broken Silence Rune 18062
(47 Min., 8/2015)

Nicht nur der Name der Band ist ungewöhnlich, auch ihre Besetzung ist es, und der Umstand, dass sie so nun schon seit neunzehn Jahren besteht, ist es umso mehr. Der Schlagzeuger John Hollenbeck steht als Organisator und Komponist hinter diesem New Yorker All Star Ensemble. Er selber lehrt seit 2005 als Professor in Berlin. Sein kompositorischer Angang ist intellektuell bestimmt. Er liebt komplex verzahnte Linienführung abstrakter Art über kraftvoll gestalteten Rhythmen. „Super Petite“ soll mit 10 Miniaturen ein Zeichen gegen die in seinen Augen zunehmende epische Breite im Jazz setzen. Jeder seiner Titel geht von einem programmatischen Ansatz aus. Das kann bestehendes Material sein wie ein extrem verlangsamter Charlie-Parker-Break, eine Philly-Joe-Jones-Schlagzeugfigur, die Ziffern seiner Passnummer als Tonhöhenfolge gelesen oder Atmosphärisches wie eine ungeliebte Fernsehsendung oder sein Lieblingsrestaurant. Die Musik hat er seinen langjährigen Mitstreitern, dem Klarinettisten und Saxofonisten Chris Speed, dem Vibrafonisten Matt Morgan, dem Akkordeonisten Red Wierenga und dem Bassisten Drew Gress auf den Leib geschrieben. Ereignisdicht ist sie in der kompositorischen Anlage; dennoch gibt es in ausgewogener Dosierung Abschnitte solistischer Beiträge, bei denen vor allem Matt Moran und Chris Speed beeindrucken. Speed hat einen Sound, der sich von dem gängiger Tenoristen unterscheidet, er klingt als sei er ein Jimmy Giuffre des 21. Jahrhunderts. Der Akkordeonist allerdings klingt seltsam dünn und schmalbrüstig. Dafür überzeugt der Schlagzeuger mit umso kraftvolleren, die vollklingenden Trommeln gegenüber den Becken mitunter bevorzugenden Rhythmusfiguren. Angesichts der überzeugenden Ergebnisse von „Super Petite“ darf man ihm, dem Ziehvater von Claudia, zurufen: weiter so!

Thomas Fitterling, 06.08.2016



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