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Johannes Brahms

Liebeslieder-Walzer op. 52, Drei Lieder op. 64, Neue Liebeslieder op. 65

Marlis Petersen, Stella Doufexis, Werner Güra, Konrad Jarnot, Christoph Berner, Camillo Radicke

harmonia mundi HMC 901945
(55 Min., 04/2006) 1 CD

Es gibt eine nicht geringe Anzahl an Einspielungen der "Liebesliederwalzer" von Soloquartetten oder Kammerchören, die den Hörer nur teilweise zu erfreuen vermögen: Im Falle solistischer Ausführung nerven öfters die Marotten der einzelnen im Ensemblegesang unerfahrenen Sänger, die sich im Quartett bis zur Unerträglichkeit potenzieren können – so ergeht es einem etwa mit der Formation Mathis, Fassbaender, Schreier und Fischer-Dieskau. Bei chorischer Darbietung dagegen vermisst man immer wieder den solistisch-individuellen Zugriff, ganz extrem etwa bei "Ein kleiner, hübscher Vogel" mit seiner reizenden Tenorkantilene, aber auch an vielen anderen Stellen. Vor diesem Hintergrund bietet die vorliegende Neuaufnahme zwar nicht gerade die Quadratur des Kreises, aber doch immerhin einen guten Mittelweg: Die mit romantischen Kunstliedern erfahrenen Sänger fügen sich zu einem recht homogenen Ensemble, aus dem nicht permanent der eine oder andere durch eitle Extravaganzen auszuscheren sich bemüßigt fühlt. Dennoch verleugnen die Interpreten den romantischen Charakter an keiner Stelle: Vibrato kommt ausgiebig zum Einsatz, die melodischen Linien werden mit der ganzen zur Verfügung stehenden Palette an Ausdrucksmitteln für Musik des 19. Jahrhunderts expressiv ausgestaltet – übers Ziel hinaus schießen dabei ganz gelegentlich Marlis Petersen und Konrad Jarnot. Macht nichts: Diese Aufnahme wird sich aufgrund ihrer ansprechenden Mischung aus Kultiviertheit und Leidenschaftlichkeit lange an der Spitze der Liebesliederwalzer-Interpretationen halten – wozu nicht zuletzt auch das ebenso dezente wie brillante, klanglich hervorragend ausbalancierte Klavierspiel von Christoph Berner und Camillo Radicke beiträgt.

Michael Wersin, 01.01.1970



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