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Time / Life (Songs For The Whales and Other Beings)

Charlie Haden Liberation Music Orchestra

Impulse!/Universal 4798480
(54 Min., 8/2011, 1/2015)

„Die Musik dieses Albums ist der Aufgabe gewidmet, eine bessere Welt zu schaffen: eine Welt ohne Töten, Armut und Ausbeutung ... Wir hoffen auf eine neue Gesellschaft der Aufklärung und der Weisheit, in der der kreative Gedanke die bestimmende Kraft im Leben der Menschen sein wird“, schrieb Charlie Haden 1969 im Begleittext zum ersten Album seines „Liberation Music Orchestra“. Seitdem stellte es Songs und Themen der amerikanischen Friedensbewegung, der Befreiungsbewegungen in Lateinamerika und der europäischen Linken ins Zentrum seines Repertoires – meist mit melancholischem Unterton, denn im Spanischen Bürgerkrieg hatten die Faschisten gesiegt und in Chile hatte General Pinochet die linke Regierung von Salvador Allende gestürzt. „The Ballad Of The Fallen“, „Dream Keeper“ und „Not In Our Name“ waren die folgenden Alben überschrieben. Das fünfte Studioalbum wollte Haden der Umweltbewegung widmen. Carla Bley hatte bereits 2011 den „Song For The Whales“ fertiggestellt, als Charlie Haden am 11. Juli 2014 starb: eine melancholische Nummer, die Haden mit der Imitation von Walgesängen auf dem Kontrabass umrahmt. Die Live-Aufnahme vom Antwerpener Jazz Middelheim Festival beendet er mit einem Mahnruf an die Achtung vor der Umwelt. Der belgische Radiosender VRT hat dieses zehnminütige Stück sowie den Standard „Blue In Green“ aufgezeichnet: Hadens Vermächtnis, denn die geplante Studioproduktion kam nicht mehr zustande. 2015 eingespielte Studioaufnahmen ergänzen dieses Dokument; Carla Bley hat sie – wie alle Stücke des Liberation Music Orchestra – arrangiert. Dabei griff sie auf die eigenen Themen „Time/Life“, „Silent Spring“ und „Útvikilingssang“ zurück; Steve Swallow ersetzte seinen alten Weggefährten mit dem Elektrobass. Das melancholische Klangbild des Orchesters, das Kokettieren mit Bläserchorälen und das für Haden typische, sanfte Ineinandergreifen der Instrumentallinien blieben dabei erhalten. Gerade weil die Welt chaotisch, brutal und in Unordnung ist, solle seine Musik diesen Zustand nicht wiederholen, sondern eine freundliche, schöne Alternative anbieten. Diesem Gedanken entsprechen auch die ohne ihn entstandenen Studioaufnahmen des zehnköpfigen Ensembles.

Werner Stiefele, 15.10.2016



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